Bildergrenzen wider die Stille

9. Symphoniekonzert

Bildergrenzen wider die Stille

So, 30.05.2021 19:00 Uhr

Laeiszhalle Hamburg, Großer Saal

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»Wenn alles still ist, geschieht am meisten« (Søren Kierkegaard)

Lesen Sie den Text »Bunte Stillleben in grenzenlosen Klangfarben« zu unserer Saison 20/21 von Alexander Meier-Dörzenbach.

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Martinů Les Fresques de Piero della Francesca

Barber Violinkonzert op. 14

Martinů Mahnmal für Lidice

Barber Symphonie Nr. 1 in einem Satz op. 9

Jacek Kaspszyk Dirigent

Akiko Suwanai Violine

Der polnische Dirigent Jacek Kaspszyk, der bei den Symphonikern schon gemeinsam mit Martha Argerich zu erleben war, widmet sich in diesem Konzert aufregenden, aufwühlenden und sehr zu Unrecht vernachlässigten Werken des 20. Jahrhunderts.  

Das Œuvre des bedeutenden tschechischen Komponisten Bohuslav Martinů (1890-1959) darf als äußerst vielseitig gelten. Kein Wunder, ließ er sich doch vom Impressionismus und Neoklassizismus, von der Neuen Musik und vom Jazz umfassend inspirieren und bildete sich Zeit seines Lebens weiter – was zu seinem einzigartigen Kompositionsstill führte. Seine „Fresques de Piero della Francesca“ vollendete er 1955, nachdem er in Arezzo der Fresken des Renaissance-Künstlers ansichtig wurde. Sein dreisätziges Werk verarbeitet die Poesie der Bilder musikalisch und versucht zudem, tiefergehende Fragen zu beantworten: „Der Künstler ist immer auf der Suche nach dem Sinn des Lebens, seines eigenen und des Lebens der Menschen überhaupt, auf der Suche nach Wahrheit.“

Samuel Barbers (1910-1981) Tonsprache hingegen wurde mitunter als Neo-Romantik bezeichnet, dabei versuchte der Komponist, zu einem eigenen (amerikanischen) Stil zu finden. Bedeutendes Zeugnis davon ist sein Violinkonzert op. 14, das ein Auftragswerk für den Seifenfabrikanten Samuel Fels war. Der in Allegro stehende Kopfsatz besticht durch seine hochemotionalen dramatischen Fortschreitungen. Der berühmte zweite Satz ist voller sehnsüchtiger Leidenschaft, die an romantische Höhepunkte erinnert. Höchste Virtuosität ist im Presto des Finalsatzes gefordert – als Belohnung winkt jedoch eine der Perlen der Violinliteratur des 20. Jahrhunderts, interpretiert von der Geigerin Akiko Suwanai, die nicht nur in ihrer Heimat Japan frenetisch gefeiert wird. 

1942 zerstörten die nationalsozialistischen Besatzer in einem Vergeltungsakt den kleinen böhmischen Ort Lidice nahe der Hauptstadt Prag, töteten die männlichen Einwohner und verschleppten die meisten Frauen und Kinder in Konzentrationslager, wo ein Großteil vergast wurde. Ein Jahr später schrieb Bohuslav Martinů, der bereits im Exil in den USA weilte, sein einsätziges „Mahnmal für Lidice“, das die NS-Verbrechen vergegenwärtigt, aber auch von bewundernswert edlem Gestus durchdrungen ist. So verwandelt Martinů Schrecken und Anklage in ein Manifest der Würde und Menschlichkeit.

In seiner ersten Symphonie, uraufgeführt 1936 in Rom, betrieb Samuel Barber die Kunst der Synthese, also die verbindende Integration der klassisch viersätzigen Form der Symphonie in einen einzigen Satz. Ihr von elegischen Steigerungen und inspirierenden Einfällen geprägter Grundgestus ist von überzeugender Geschlossenheit und findet trotz seines überquellenden Ideenreichtums zu einer ausgewogenen Balance von Inhalt und Form.

Gehen Sie vorbereitet in dieses Konzert! Olaf Dittmann und ein Orchestermitglied führen in der 30-minütigen Einführung mit Hilfe von Musikbeispielen in das Programm ein und berichten von der Probenarbeit. Der Eintritt ist für Konzertbesucher frei! – 18.00 Uhr Studio E (Bühneneingang). Einlass zur Einführung im Studio E aus Sicherheitsgründen nur solange Sitzplätze verfügbar sind.

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