Doppelter Vorfrühling

1. VielHarmonie-Konzert

Doppelter Vorfrühling

Do, 30.09.2021 19:30 Uhr

Laeiszhalle Hamburg, Großer Saal

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»Was für die Raupe das Ende der Welt, ist für den Rest der Welt ein Schmetterling.« Lesen Sie den Text »Irisierende Farbwellen und weiße Stille« zu unserer Saison 21/22 von Alexander Meier-Dörzenbach.

Mozart Klavierkonzert Nr. 10 für zwei Klaviere Es-Dur KV 365 (316a)

Schumann Symphonie Nr. 2 C-Dur op. 61

Guy Braunstein Dirigent

Khatia & Gvantsa Buniatishvili Klavier

Unter Geschwistern gibt es gerne einmal Zwist. Und keine musikalische Gattung eignet sich besser für die sportliche Austragung von Reibereien als die des Konzerts. Denn »Konzert« (»concertare«) heißt im italienischen Ursprung des Wortes tatsächlich nichts anderes als, richtig: »Streit«. Mozart komponierte das Klavierkonzert für zwei Klaviere Es-Dur 1779. Für sich und seine Schwester Maria Anna, genannt »Nannerl«. »Wettbewerb unter Gleichberechtigten prägt das Konzert KV 365 noch in den kleinsten Zellen«, schreibt der Dirigent und Musikwissenschaftler Peter Gülke über das Stück. Na denn, auf in den »Kampf«.

Die georgischen Pianistinnen Khatia und Gvantsa Buniatishvili sind Schwestern – und suchen in ihrem Spiel nicht nur konfliktlose »Verschmelzung«: »Gvantsa ist Erde, ich bin Luft. Aber wir spüren einander«, gab Khatia in einem Interview einmal zu Protokoll. Zündstoff und ideale Voraussetzung also für Mozarts Es-Dur-Konzert, in dem »Höflichkeit« und »Fairness« ohnehin nicht die größte Rolle spielen: Immer wieder unterbricht der eine Solo-Part den anderen, lässt ihn nicht »ausreden«, fährt ihm in die Parade.

Streit gab es auch bei der Uraufführung von Schumanns zweiter Symphonie im November 1846 in Leipzig. Der dirigierende Felix Mendelssohn Bartholdy hatte die Symphonie ganz an das Ende des Programms gesetzt. Unter anderem erklang zuvor Rossinis Ouvertüre zu „Guillaume Tell“. Das Publikum tobte, verlangte eine Wiederholung – und ließ die Energien und Schönheiten von Schumanns Zweiter an sich vorbeiziehen.

»Es hat gefallen« oder »es hat nicht gefallen« sagen die Leute. Als ob es nichts Höheres gäbe, als den Leuten zu gefallen! Licht senden in die Tiefe des menschlichen Herzens – des Künstlers Beruf!

Robert Schumann (1810–1856)

Hubertus Wald Stiftung