Lichte Nebelbänke

5. Kammerkonzert

Lichte Nebelbänke

Do, 03.03.2022 19:30 Uhr

Laeiszhalle Hamburg, Kleiner Saal

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»Was für die Raupe das Ende der Welt, ist für den Rest der Welt ein Schmetterling.« Lesen Sie den Text »Irisierende Farbwellen und weiße Stille« zu unserer Saison 21/22 von Alexander Meier-Dörzenbach.

Beethoven Septett Es-Dur op. 20

Brücher Ihr wisst nicht die geheime Ursache – Auftragswerk der Symphoniker Hamburg (Uraufführung)

Beethoven Streichquartett F-Dur op. 135

Adrian Iliescu Violine

Satoko Koike Violine

Bruno Merse Viola

Jee-Hee Kim Violoncello

Rafael da Cunha Kontrabass

Elmar Hönig Klarinette

Christian Ganzhorn Fagott

Péter Gulyka Horn

Wie so vieles fand auch das Beethoven-Jahr 2020 nur in weitaus geringerem Umfang statt als erhofft. Doch man kann die Feste nachfeiern, wenn sie ausfallen. Und so erleben wir hier Musik von Nikolai Brücher, dem Komponisten und Notenbibliothekar des Laeiszhalle Orchesters: "Ihr wisst nicht die geheime Ursache" ist ein Auftragswerk zum Beethoven-Jahr. Gerahmt wird der Abend mit zwei Werken Beethovens, die zu seinen bedeutendsten Kompositionen überhaupt zählen und zwischen denen ein Vierteljahrhundert liegt.

Das Es-Dur-Septett, Kaiserin Maria Theresia gewidmet, wurde 1800 uraufgeführt und zu Beethovens Lebzeiten so populär, dass es ihm lästig wurde. Dabei zeigt das frühe Werk bereits eindrucksvoll viele Facetten des gefeierten Komponisten: Ein großer motivischer Einfallsreichtum, breit angelegt im sechssätzigen Werk und meisterlich ausgeführt, dabei elegante Wiener Gepflogenheiten mit wild-aufbrausenden Passagen und brillanten Kadenzen mischend. Dabei wechselt Beethoven munter zwischen konzertierenden, kammermusikalischen und symphonischen Einflüssen, ohne dass die manchmal trotzig-aufbrausende Handschrift verlorengeht.

Diese Handschrift zeigt sich freilich auch in Beethovens letztem vollendetem Werk, dem F-Dur-Streichquartett von 1826. „Muss es sein? – Es muss sein!“ Dieser meist humoristisch interpretierte mehrdeutige Frage- und Antwortsatz findet sich in der Partitur des Finalsatzes wieder, der mit „Der schwer gefasste Entschluss“ betitelt ist. Ob es dabei wirklich um die geforderte Bezahlung eines Auftragswerks ging oder ob Beethoven doch etwas anderes andeutete – dem Streichquartett haftet ein trotzig-humorvolles Bekenntnis zum Leben an. Ein Mysterium bleibt es dennoch, dessen Geheimnis Beethoven ein Jahr später mit ins Grab genommen hat.

Grau und trüb und immer trüber Kommt das Wetter angezogen, Blitz und Donner sind vorüber, Euch erquickt ein Regenbogen. Frohe Zeichen zu gewahren Wird der Erdkreis nimmer müde; Schon seit vielen tausend Jahren Spricht der Himmelsbogen: Friede. Aus des Regens düstrer Trübe Glänzt das Bild, das immer neue; In den Tränen zarter Liebe Spiegelt sich der Engel – Treue. Wilde Stürme, Kriegeswogen Rasten über Hain und Dach; Ewig doch und allgemach Stellt sich her der bunte Bogen.

Johann Wolfgang von Goethe (1749–1832)