Schlagschatten

4. Kammerkonzert

Schlagschatten

Do, 03.02.2022 19:30 Uhr

Laeiszhalle Hamburg, Kleiner Saal

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»Was für die Raupe das Ende der Welt, ist für den Rest der Welt ein Schmetterling.« Lesen Sie den Text »Irisierende Farbwellen und weiße Stille« zu unserer Saison 19/20 von Alexander Meier-Dörzenbach.

Mozart Streichquartett Nr. 15 d-Moll KV 421 (417b)

Webern Langsamer Satz für Streichquartett

Borodin Streichquartett Nr. 2 D-Dur

Paweł Kisza Violine

Ayumu Sasaki Violine

Hsiang-Hsiang Tsai Viola

Theresia Rosendorfer Violoncello

Keinem geringeren als „seinem lieben Freund Joseph Haydn“ hat Wolfgang Amadeus Mozart sein Streichquartett Nr. 15 in d-Moll gewidmet. Voller kompositorischer Einfälle und Verbeugungen vor dem sehr verehrten Komponistenkollegen, durchzieht das einzige Moll-Quartett der sechs „Haydn-Quartette“ ein dunkler, fast düsterer Ton, nur unterbrochen vom unwiderstehlichen Liebreiz des Andantes. Auch verarbeitete Mozart etwa im dritten Satz, dessen Menuetto einen barocken Lamento-Bass aufweist, seine eigenen Barock-Studien zu Carl Philipp Emanuel Bach. Der Beiname „Geburtswehenquartett“ kommt nicht von Ungefähr, meint man doch das Wehklagen der zum hochschwangeren Gattin Constanze an verschiedenen Stellen herauszuhören.

Nach Anton Weberns nicht selten gespieltem Langsamen Satz für Streichquartett von 1905 – ein vergleichsweise romantisches Frühwerk – folgt ein Sprung zurück ins Ende des 19. Jahrhunderts: Alexander Borodin hatte verschiedene Hochbegabungen, so war er hauptberuflich Professor für experimentelle und organische Chemie in St. Petersburg. Nebenbei schrieb er so großartige Werke wie das seiner Frau gewidmete zweite Streichquartett in D-Dur, das im Geist der Neurussischen Schule auf das charakteristische – und deshalb so einprägsame – russische Kolorit setzte. Das berühmte Notturno des dritten Satzes berührt mit seinem eindringlichen süßen Gesang zu Tränen. Der zweite und vierte Satz setzen dieser Trübnis jedoch höchste Lebendigkeit und Spiellust entgegen.

Bleibt man dabei stehen, (wie es gemeiniglich geschieht,) und sieht jene empirische Anschauung nicht wiederum (wie es geschehen sollte) als bloße Erscheinung an, so dass darin gar nichts, was irgendeine Sache an sich selbst anginge, anzutreffen ist, so ist unser transzendentaler Unterschied verloren, und wir glauben alsdann doch, Dinge an sich zu erkennen, ob wir es gleich überall (in der Sinnenwelt) selbst bis zu der tiefsten Erforschung ihrer Gegenstände mit nichts, als Erscheinungen, zu tun haben, so werden wir zwar den Regenbogen eine bloße Erscheinung bei einem Sonnregen nennen, diesen Regen aber die Sache an sich selbst, welches auch richtig ist, sofern wir den letzteren Begriff nur physisch verstehen, als das, was in der allgemeinen Erfahrung, unter allen verschiedenen Lagen zu den Sinnen, doch in der Anschauung so und nicht anders bestimmt ist.

Immanuel Kant: »Kritik der reinen Vernunft« (1787)