Strahlendes Leuchten im französischen Barock

7. Kammerkonzert

Strahlendes Leuchten im französischen Barock

So, 22.05.2022 11:00 Uhr

Laeiszhalle Hamburg, Kleiner Saal

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»Was für die Raupe das Ende der Welt, ist für den Rest der Welt ein Schmetterling.« Lesen Sie den Text »Irisierende Farbwellen und weiße Stille« zu unserer Saison 21/22 von Alexander Meier-Dörzenbach.

Pignolet de Montéclair Konzert Nr. 4 für Querflöte und Bass

d‘Anglebert Ouvertüre zu »Proserpine« Tombeau de Monsieur de Chambonnières

Bodin de Boismortier Sonate Nr. 5

Marais Couplets de folies

Couperin Le Crouilly ou la Couperinette, Le Rossignol en Amour

Leclair Sonate D-Dur op. 2/8

Wiebke Bohnsack Flöte

Eugene Lifschitz Violoncello

Isolde Kittel-Zerer Cembalo

Eine musikalische Entdeckungsreise in die französische höfische Musik des 17. und 18. Jahrhunderts: In diesem Konzert kann auf den Spuren des legendären Märchenschlosses Versailles, dem Inbegriff von barockem Glanz, königlichem Prunk und galantem Zeremoniell, gewandelt werden. Jedes Motiv, jede melodische Linie, ja jeder Ton scheint bei Jean-Henri d’Anglebert mit golddurchwirkten Ornamenten ausgestattet zu sein: Der älteste der in diesem Kammerkonzert vertretenen Komponisten war offizieller Hofcembalist am Hofe des „Sonnenkönigs“ Ludwig XIV.. In seinen reichverzierten Werken wie der Ouvertüre zu „Proserpine“ und dem „Tombeau de Monsieur de Chambonnieres“ spiegelt sich die ganze Pracht und der Glanz des Versailler Hofs. Noch vornehmer erscheint Michel Pignolet de Montéclairs viertes Flötenkonzert: ein Beispiel vollendeten höfischen Edelmuts, ausgeglichen in den Formen, zurückhaltend im Gestus, aber klar und brilliant in seinen Ausdrucksformen.

Joseph Bodin de Boismortiers fünfte Sonate ist lebhaft und voller verschmitzter Einfälle, aber im Mittelsatz galant und mit ehrlicher Sehnsucht. François Couperins Cembalostücke zeigen auch italienische Einflüsse und vereinen deren Lebensfreude mit der ernsten, würdevollen Zurückhaltung des königlichen Hofes. Marin Marais war königlicher Hofgambist in Versailles und stieg bald zum erfolgreichen Hofkomponisten auf; seine Variationensuite „Couplets de folies“ zeigt seine ganze fantasiereiche Schaffenskraft – und auch sein virtuoses Verständnis der Gambe. Neben den Symphoniker-Mitgliedern Wiebke Bohnsack und Eugene Lifschitz ist Isolde Kittel-Zerer am Cembalo zu erleben: Sie ist aus der Barockszene kaum mehr wegzudenken und tritt seit vielen Jahren gemeinsam mit Orchestern und Ensembles auf.

Der Präfekt von Lyon hat eine Proklamation erlassen, die, wie folgt, beginnt: »Lyonnais, Quittez votre deuil et revêtez vos habits de fête, S.A.R. le duc d’Orléans arrive dans nos murs. C’est l’arc-en-ciel qui annonce la fin de l’orage.« Lautet das nicht wie deutsch? Könnte man nicht glauben, es wäre in Berlin geschrieben? Von einem Kronprinzen zu sagen: »es ist der Regenbogen«, tönt freilich noch etwas familiär und revolutionär – der Deutsche hätte dafür gesagt: Höchstdieselben geruhen ein Regenbogen zu sein – doch übrigens ist gar nichts daran auszusetzen.

Ludwig Börne: »Briefe Aus Paris« (1832)