MovINg living room #11: Ein Highlight zum Ende – Premiere in der alten Mühle

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Das MovINg Orchestra Projekt eilt mit großen Schritten seinem Endpunkt entgegen, Zeit für erste Rückblicke, Zeit, Resümee zu ziehen – oder noch einmal etwas Neues zu wagen: Nach 10 wunderbaren, sehr unterschiedlichen MovINg living room Konzerten wurde dieses Format jetzt, am grau-verregneten Abend des 18. November zum ersten Mal seinem Namen so richtig gerecht. Hatten wir den Begriff "living room" bisher relativ frei mit "Lebensraum" übersetzt, also Konzerte in unterschiedlichsten Lebensräumen Hamburgs veranstaltet, so waren wir noch nie seiner wörtlichen Bedeutung gerecht geworden: "Wohnzimmer". Ein Konzert im Wohnzimmer. War es zu früheren Zeiten en vogue und gerade in der Kunst-Szene fester Teil des gesellschaftlichen Lebens, Hauskonzerte, den sogenannten "musikalischen Salon" (Mythen- und Sagenumrankt!), zu veranstalten, wird diese Praxis in unseren "sozial vernetzten" Zeiten kaum noch gepflegt. Dabei ist so ein Hauskonzert etwas Wunderbares, eine Art WG-Party auf hohem Niveau mit gediegener Live-Musik. Beste Bedingungen, sich zu begegnen, Musik aus nächster Nähe zu genießen, den Musikern über die Schulter zu schauen, gemeinsam in Schwung und Schwingung zu kommen, den Abend zusammen ein- und ausklingen zu lassen.

Jadwiga Hörömpö, selbst seit vielen Jahren Geigerin der Symphoniker Hamburg, lebt in einer wunderbaren, liebevoll restaurierten und höchst stilvoll eingerichteten alten Mühle im Süden Hamburgs. Diesen ganz besonderen Lebensraum hat sie nun geöffnet und ihre Kollegen aus dem Orchester eingeladen, in ihrem Wohnzimmer zu musizieren. Genial! Was für ein Abend. Was für ein Ort, gefüllt mit Lebensfreude bis ins kleinste Detail, musikalischen und hinterher auch kulinarischen Leckerbissen: ein exquisites Symphoniker-Ensemble (Susanne Barner - Erste Flötistin, Marc Renner - Erster Oboist, Elmar Hönig - Klarinettist und Bassklarinettist, Christian Ganzhorn - Erster Fagottist und Péter Gulyka - Solo-Hornist) gab Mussorgsky’s "Bilder einer Ausstellung" in einer anspruchsvollen Bearbeitung für Bläserquintett - auf’s feinste musiziert, klangvoll zelebriert. Ein Leichtes, die anwesenden Freunde des Hauses und der Symphoniker, die den Weg zur Konzert-Mühle gefunden hatten, so zu verzaubern.

Dieses "echte" living room-Konzert, obwohl Premiere, hätte der reizvollen Konzertreihe keinen würdevolleren Schlussakkord setzen können. Und so wurde noch einmal beispielhaft deutlich, wie schön, berührend, bewegend, kommunikativ, sozial und wohltuend Musik ist, die man hautnah und barrierefrei erleben darf, die zum Gespräch und zu intellektueller Auseinandersetzung einlädt und somit ganz nebenher Menschen gleich mehrfach verbindet. Deswegen sei an dieser Stelle ein großer Dank ausgesprochen, an all jene, die jedes dieser Konzerte einzigartig gemacht haben, die ihre Instrumentenkoffer und Türen geöffnet haben, ihre Ohren und Herzen, ihre Gedanken und Münder und somit zu Wegbegleitern auf einer besonderen Reise durch Hamburg wurden. Und wer weiß, ob dieser Schlussakkord nicht auch gleichzeitig Auftakt für Neues war... 

 

(Fotos: Artur Luczak)