MovINg living room #7: MovINg Music meets Laeiszhalle

Veröffentlicht am MovINg Music, MovINg living room

Von Miriam Holzapfel

Mit dem MovINg Music - Projekt kommen die Symphoniker in die Stadt, in Schulen, in ein Altersheim, an Kulturzentren. An Alltagsorte. Und dort findet der Austausch über Musik und Gesang statt, über Traditionen und Assoziationen. Am 10. Mai aber ist es einmal umgekehrt und alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer sind in die Laeiszhalle eingeladen, denn wohin lädt man Gäste ein? Normalerweise ja wohl ins Wohnzimmer. Und die Laeiszhalle ist quasi das Wohnzimmer der Symphoniker Hamburg. Ein sehr großes Wohnzimmer, mit über 2.000 Plätzen im Großen Saal. Dort sind die Symphoniker Hamburg das Residenzorchester, dort befinden sich Proberäume und Büros, dort lagern die Noten. 

Aus vier von fünf Standorten sind Sängerinnen und Sänger gekommen, um sich von Michael Zlanabitnig und Johanna Franz durch das ehrwürdige Gebäude führen zu lassen, vor und hinter die Kulissen. Erstmals treffen die verschiedenen Gruppen aufeinander, die Freizeitsängerinnen aus Schnelsen, die jungen Erwachsenen aus der Internationalen Vorbereitungsklasse, Schülerinnen aus der Stadtteilschule Meiendorf und Seniorinnen und Senioren aus Bergedorf. Für viele ist es der erste Besuch in der Laeiszhalle. Der Rundgang führt durch den Großen Saal und das Foyer, zum Notenarchiv, wo der Archivar Nikolai Brücher bei der Arbeit angetroffen wird, durch den Backstage-Bereich hin zur Bühne im Kleinen Saal. Dort stehen schon Stühle bereit – und ein Flügel.

Weil fast alle MovINg Music- Gruppen „Schweige und höre“ kennen und es bereits gesungen haben, ist es dieses Lied, das nun alle gemeinsam anstimmen. Und es funktioniert, auch im Kanon, über alle Skepsis und Berührungsängste hinweg, die es hier und da zu Beginn vielleicht gab. Danach singen die Jugendlichen aus der Internationalen Vorbereitungsklasse den Song, den sie nun schon länger proben: John Lennons „Imagine“. Und alle stimmen ein, der Gesang füllt den Kleinen Saal – ein Höhepunkt vor dem Höhepunkt, denn direkt im Anschluss spielen die Symphoniker Adrian Iliescu, Harald Schmidt und Jee Hee Kim mit Franz Schubert's Streichtrio in B-Dur, D 581, ein exklusives Konzert mit Violine, Bratsche und Cello. Alle sitzen gemeinsam auf der Bühne, alles ist zu hören, der Klang, das Rascheln, das Atmen, der Strich der Bögen auf den Saiten, es ist ein besonderer Moment, ein intimes, gemeinsames Erlebnis mit Fremden. Für einen Moment sind die Wege zusammengelaufen, die Musik ist fühlbar geworden. Dann ist es vorbei. Die Musiker müssen zur nächsten Probe, die Teilnehmerinnen und Teilnehmer zurück in alle vier Himmelrichtungen. You may say I’m a dreamer, but I’m not the only one.

Sevde, Victoria aus der IVK St.Pauli, und Iris und Michaela aus Schnelsen haben im Anschluss ihre Eindrücke mit uns geteilt.

Sevde: „It was kind of awesome. At first we were shocked when we saw those old ladies, we weren’t expecting that. We expected more younger people! But they are full of energy and, you know, they are into music as well! And as always, singing with Michael is good, it is so much fun. The idea of the project always impressed us, it is like Michael told us: that different people can be connected by music. He said it opens doors to other universes, something like that. And we saw that it’s true."

Victoria: „I have never been here before. But it is amazing. The concert was really, really nice, the music is so thoughtful. Having had this opportunity is wonderful. And to be part of the project, to sing after school, is wonderful, too."

Iris: „Für mich war es auch toll, ich bin noch nie hier gewesen. Ich hab immer nur meine Mutti vor der Tür abgesetzt, die mittlerweile nicht mehr lebt. Auch deshalb war es etwas sehr Besonderes. Und man hat das ja nicht oft, dass man Musiker fast zum Anfassen hat und sogar die Noten mitlesen kann und richtig was spürt. Ein Wahnsinnserlebnis."

Michaela: „Hinter die Kulissen zu schauen war super, das Notenarchiv zu sehen – und dass wir selbst auf der Bühne stehen durften! Damit hatte ich gar nicht gerechnet, ganz wunderbar. Hier zu singen ist es natürlich ganz anders. Was mir vorher nicht bewusst war, ist, wie unterschiedlich die einzelnen Gruppen sind. Dass wir dann alle in „Imagine“ eingestimmt sind – toll! Es steht ja für Frieden und passt damit so sehr in diese Zeit. Das war wirklich sehr bewegend."