MovINg Music: 02.12.2019, Internationale Vorbereitungsklasse StS am Hafen, St. Pauli

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Von Miriam Holzapfel

Winter wird es nach einem langen Herbst meistens ganz plötzlich und ebenso plötzlich steht mit dem "Fest der Musik" am 12.12. der Abschluss und zugleich der Höhepunkt des MovINg Music - Projekts ins Haus. Mehr als 12 Monate lang lang wurde an verschiedenen Standorten in Hamburg über Musik gesprochen, über Instrumente, über bekannte Melodien und fremde Klänge. Und nun kommen alle zusammen und treten gemeinsam mit dem Orchester der Symphoniker Hamburg vor Publikum auf.

Die internationale Vorbereitungsklasse der Stadtteilschule am Hafen auf St. Pauli ist im Vergleich zum Start des Projekts ein Jahr zuvor leider nicht mehr ganz vollzählig. Die jungen Menschen in der Gruppe aber haben ungeheure Sprach-Fortschritte gemacht, wirken gelöster und gereift. Die Musikstunde kann deshalb, anders als zu Beginn, fast ausschließlich auf Deutsch stattfinden, nicht mehr nur auf Englisch. Das "Schweige und höre" zu Beginn wird allerdings ganz sprachlos nur gesummt, um wieder Kontakt aufzunehmen mit dem eigenen Klang, mit den Möglichkeiten der Stimme. Denn das ist ja vielleicht das Schwerste, und zwar nicht nur für Schülerinnen und Schüler einer internationalen Vorbereitungsklasse: Es wirklich zu wagen, sich ins Zeug zu legen mit dem, was man eben hat. Vielleicht einmal daneben zu liegen, vielleicht mit dem Text unsicher zu sein. Es aber immer wieder zu versuchen und der Stimme Gehör zu verschaffen, sie bewusst einzusetzen. Das kann man üben, das Gespür für den eigenen Klang lässt sich schärfen. Und das Abschlusskonzert singen ja auch alle gemeinsam: „Traut Euch!“ macht Michael Zlanabitnig seinen jungen Teilnehmerinnen und Teilnehmern Mut. „Und seid stolz auf Euch“. 

Zur letzten Stunde sind noch einmal zwei junge Akademistinnen der Symphoniker Hamburg mitgekommen, die Fagott-Spielerin Lorraine Guyot aus Frankreich und die Klarinettistin Hsiang-Ching Liao aus Taiwan. Sie haben zwei Stücke des modernen französischen Komponisten Francis Poulenc vorbereitet, die sie gemeinsam vorspielen. Für die Schülerinnen und Schüler klingt es „ganz okay“ und zugleich „sehr seltsam“ und ja - diese Musik wurde in einer Zeit komponiert, die in der Tat nicht einfach war, das ist zu hören. Mit Unterstützung der beiden Musikerinnen und dem etwas verstimmten Flügel probt die Klasse anschließend zunächst die einzelnen Stimmen des "Evening Rise". Das "Imagine" von John Lennon klingt danach vertraut wie eh und je. Es am 12.12. nun endlich zusammen mit einem Orchester in der Laeiszhalle zu singen wird ein besonderes Erlebnis sein. Und wie groß der Mut eines jeden einzelnen an diesem Tag dann auch sein wird: Am Ende haben alle Gruppen Applaus verdient.

 

Der Klassenlehrer Torben Schmidt blickt zurück auf die Zeit mit MovINg Music:

"Innerhalb des Schulbetriebs ist es eigentlich leichter, ein Projekt ein Schuljahr lang kontinuierlich zu betreiben und dann vor der großen Sommerpause zum Abschluss zu bringen. Mit der Chorgruppe nach den langen Ferien den Faden wieder aufzunehmen und weiterzumachen, war nicht so ganz einfach. Man weiß auch nie, welche neuen Prioritäten die Schüler dann vielleicht setzen, was alles ansteht. Aber es hat geklappt. Und es war dann auch gut, noch etwas Zeit zu haben. Denn einen Song, den Michael vorgeschlagen hat, haben die Schülerinnen und Schüler zwar gern gemocht – das war „Über's Meer“ von Rio Reiser. Sie haben ihn aber nicht so gern selbst gesungen. (...) Und so ein Prozess, also zu entscheiden: Das machen wir nicht, wir singen etwas anderes, das dauert eben seine Zeit. Und es war schön und wichtig für die Gruppe, diese Zeit zu haben. Und ja, bei einzelnen der jungen Menschen ist die Teilnahme über die vielen Monate vielleicht etwas unregelmäßiger geworden, einige sind mittlerweile auch schon in anderen Klassen. Sie richten es aber weiterhin ein, zu den Proben zu kommen, selbst nach so einem langen Tag wie heute, wo es draußen schon wieder dunkel wird und eigentlich alle müde sind. Es gibt da ein Gefühl von Zusammenhalt."