MovINg Music: 04.04.2019, Internationale Vorbereitungsklasse St. Pauli

Veröffentlicht am MovINg Music

Von Miriam Holzapfel

Als das Projekt mit der internationalen Vorbereitungsklasse gestartet ist, war die Unterrichtssprache noch überwiegend englisch. Mittlerweile haben die jungen Erwachsenen so enorme Fortschritte im Spracherwerb gemacht, dass der Austausch über die Musik vor allem auf Deutsch stattfinden kann. Zu hoffen ist, dass zum MovINg Orchestra Abschlusskonzert in der Laeiszhalle im Dezember alle noch da sind und teilnehmen können. 

Diesmal ist Ting-Shuo Chang wieder dabei und hat seine Geige mitgebracht – und ein Stück von Antonín Dvořák, den 2. Satz aus der Sinfonie „Aus der neuen Welt“. Auch aus Hamburg sind einst viele Menschen nach Übersee in eine ungewisse Zukunft aufgebrochen, erzählt Michael Zlanabitnig, und etwas von dem Heimweh, der Hoffnung und der Sehnsucht liegt auch in Dvořáks Stück.

Direkt danach spielt Ting als Ausgleich ein fröhliches Stück, eine Humoreske, im Anschluss ein Volkslied aus seiner Heimat Taiwan. Wieder schwingt eine leise Melancholie mit, Aziz denkt an Menschen, die getrennt leben weil der eine vielleicht in dem fernen Land und der andere noch in der Heimat lebt. Mit welchen Stücken werden sich die Schülerinnen und Schüler der Internationalen Vorbereitungsklasse einmal an diese Zeit jetzt erinnern, wo so vieles neu war und nicht immer alles nur einfach? In welche Melodien werden die Erfahrungen von heute eingeschrieben sein? Vielleicht in John Lennons „Imagine“. Die Klasse kann es schon fast auswendig, der Text wird ins Deutsche übersetzt, der Gesang klappt immer besser, das Vertrauen wächst. Dicht stehen die Jugendlichen beieinander, alle singen mit, üben einzelne Zeilen und Strophen.

John Lennon ist ein starker Kontrast zum Lied, das Nikola mitgebracht hat und vorstellt, ein Death Core Stück der Band „Infant Annihilator“, das für die meisten Ohren wirklich furchterregend klingen dürfte. Nikola lächelt. Für ihn sei die Musik wie Mathematik, erklärt er, da versteht man auch nicht alles aber sie ist eben da. Er hört dieses Genre, seit er 14 Jahre alt ist, seinen Freunden gefällt es nicht so, seine Eltern finden es grauenhaft. Aber man muss ja nicht alles lieben, was eben da ist, schließlich wurde selbst Beethoven nicht sofort von allen Zeitgenossen verstanden. Aber respektieren sollte man es. Gerade das, was man eigentlich gar nicht versteht.