MovINg Music: 13.12.2018, Internationale Vorbereitungsklasse St. Pauli

Veröffentlicht am MovINg Music

Von Miriam Holzapfel

Gesteigerte Freude: Zum zweiten Treffen des MovINg Music-Projekts mit der Internationalen Vorbereitungsklasse kommt eine zweite Musikerin hinzu, Yi-Yun Chang. Wie Ting-Shuo Chang stammt sie aus Taiwan und ist seit acht Jahren in Deutschland, im Orchester spielt sie Bratsche, ihr Instrument hat sie dabei. Die Melodien vom ersten Treffen haben die Jugendlichen noch im Ohr, besonders „Schweige und höre“, das Michael Zlanabitnig auf dem Flügel anspielt. Aber wie war noch gleich der Text? Sevde erinnert sich Wort für Wort und erklärt die Bedeutung noch einmal für alle auf Englisch: „Listen to your heart and search for peace.“ Ganz einfach, eigentlich. Alle singen das Lied gemeinsam als vielstimmiger Kanon, der lange nachhallt. Gibt es eigentlich ein englisches Wort für Ohrwurm? Das gibt es nicht. Aber das Phänomen kennen alle.

Nach dem musikalischen Aufwärmen spielen Ting-Shuo und Yi-Yun ein Stück aus Tschaikowski’s „Dornröschen“-Ballett, dann das berühmte Menuett von Luigi Boccherini. Die Schülerinnen und Schüler sind bewegt von diesem kleinen Streichkonzert und stellen Fragen: Das Vibrato klinge so schön, sagt Sevde, aber warum macht man das? „Otherwise it’s boring“, erklärt Ting und lacht. Und welches Instrument hören die Musiker innerlich, wenn sie an eine bestimmte Musik denken? Hört der Geiger immer eine Geige? Nein, meint Ting, eher ein Klavier. Aber jeder erinnert sich anders an Musik und es ist, als ob die Bilder, die mit dem Musikhören verbunden sind, ein Eigenleben führten: Beim Zuhören sieht Mariam vor dem inneren Auge ein Mädchen, das in einem Garten spielt, Katja denkt an Regenwetter, von einem trockenen Ort aus betrachtet. Niemand bleibt völlig unberührt, alle verbinden die Musik mit etwas, mit Erinnerungen und Gefühlen. „I feel free“, sagt Aziz.

 

In kleinen Portraits wird Miriam Holzapfel einzelne MovINg Music Teilnehmer begleiten:

Sevde, 17 Jahre

"Ursprünglich komme ich aus der Türkei, seit etwa fünf Monaten bin ich jetzt in Deutschland. Deutsch zu sprechen ist noch nicht so leicht für mich aber ich versuche es so gut ich kann. Deutsch zu singen hilft mir dabei. Bevor ich nach Hamburg gekommen bin, war ich zwei Jahre in der bosnischen Hauptstadt Sarajevo, davor in Ankara. Noch immer liebe ich türkische Folk- und Rockmusik und höre sie oft. Ich habe aber in den letzten Monaten auch schon viel Musik aus Deutschland kennen gelernt, vor allem deutschen Rap. Die Namen der Musiker weiß ich nicht mehr, ich höre das alles auf Spotify. Das Chorprojekt ist toll, Michael ist sehr nett und ich mag es, viel über Musik zu sprechen. Ich bin wirklich froh dabei zu sein."

 

 

Saeid, 17 Jahre

"Ich komme aus dem Iran und bin erst seit zwei Monaten und ein paar Tagen in Deutschland. Bald feiere ich hier meinen 18. Geburtstag. Ich freue mich sehr, bei diesem Projekt mitzumachen! Ich habe zuvor noch nie mit anderen gemeinsam gesungen, immer nur so für mich ganz alleine. Die vielen Stimmen zusammen – mir gefällt das gut, es ist völlig neu und ungewohnt. Wenn ich im Alltag Musik höre, dann mag ich persischen und auch amerikanischen HipHop, ich höre mal dies und mal das. Alte Filmmusik gefällt mir auch. Aber wenn ich singe, dann meistens in den Sprachen, die ich jetzt neu lerne, Englisch und Deutsch. In meiner Muttersprache singe ich eigentlich gar nicht. Musik höre ich andauernd, auf allen meinen Wegen, ich habe mein Smartphone und meine Kopfhörer immer dabei, denn beim Musikhören ist alles so, wie ich es gerne möchte, ich entscheide selbst."

(Fotos: Miriam Holzapfel)