MovINg Music: 14.01.2019, Malteserstift St. Maximilian Kolbe in Wilhelmsburg

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Von Miriam Holzapfel

Im Malteserstift im Wilhelmsburg singen Kinder und Seniorinnen und Senioren gemeinsam mit Musikern der Symphoniker Hamburg (heute: Viola und Cello) „Singen macht Spaß“, erst die Mädchen und die Damen, dann die Jungs und die Herren. Gibt es einen Unterschied? „Die Jungs singen lauter, die Mädchen singen schöner“, sagt Tarik. Und was ist jetzt wichtiger? „Am besten schön laut!“, kommt es aus der Reihe der Senioren. Und geht es auch schön leise? Aber ja. 

Von den Kindern spielen fast alle ein Instrument, viele von ihnen Flöte. Melissa ist stolz, dass sie „Bruder Jakob“ auf der Querflöte spielen kann. Auf die Frage, wer von den älteren Herrschaften ein Instrument spielt, hebt nur eine Dame die Hand. Das waren eben andere Zeiten damals, Musikunterricht war nicht selbstverständlich. 

Cellist Andrea Mereu spielt ein Menuett von Bach, die Kinder auf dem Boden schließen die Augen und hören konzentriert mit gespitzten Ohren zu. Anschließend erzählen sie, was sie zur Musik gesehen haben: „Ein Tulpenfeld!“, „Schneeflocken!“, „Alles gelb!“, „Alles weiß!“. Zusammen singt die Gruppe aus Jung und Alt das Volkslied von der Mutter, die vier Kinder hatte, den Frühling, den Sommer, den Herbst und den Winter. 

 

 

 

Mit strahlenden Augen bedankt sich Ludger Behrens aus der Runde der Senioren nach jedem MovINg Music Termin bei den Musikern. Er erzählt:

„Ich bin 1944 im Saterland in Niedersachsen geboren. Weil ich das sechste Kind war, musste mein Vater nicht nach Stalingrad, sondern wurde nur nach Norwegen versetzt, das hat ihm das Leben gerettet. Aber es war natürlich schwer für meine Eltern mit so vielen Kindern. Bis zur mittleren Reife war ich im Internat und habe immer wieder versucht, ein Instrument zu lernen – aber es fehlte der Druck oder die Kontrolle. Mein Vater war nämlich Lehrer und hat immer strenge Maßstäbe an uns Kinder angelegt, daran waren wir gewohnt. Und da hab ich auf dem Internat dann eben meine Freiheiten genossen – so ist nichts aus dem Musizieren geworden. Später habe ich das sehr bereut. Ich komme eigentlich aus einer sehr musikalischen Familie, meine Mutter konnte toll singen und Klavier spielen, mein Vater Geige. Ich aber war als Kind und Jugendlicher lieber draußen auf dem Fußballplatz. 

Ich bin ein Mensch voller Gefühle. Ich habe in meinem Leben immer viel für andere gedacht und nur wenig für mich selbst. Eigene Interessen zu verfolgen ist mir schwergefallen. Ich habe das nicht bereut, so bin ich eben. Aber dass sich nun so junge Menschen für uns Alte einsetzen, dass diese kleinen Kinder kommen und wir drei Generationen gemeinsam Musik machen – das ist eine wirklich wunderbare Erfahrung. Das Edle, das Feine, das dadurch ins Haus kommt, das bringt in meinen Alltag eine ganz neue Qualität. Man spürt, dass die Musiker von etwas durchdrungen sind und für mich ist es das Göttliche. Deswegen ist mir das so wichtig."