MovINg Music: 27.02.2019, Freizeitzentrum Schnelsen

Veröffentlicht am MovINg Music

Von Miriam Holzapfel

Ein wichtiger Bestandteil des MovINg Music-Projektes ist der Austausch mit den Teilnehmenden. Welche Musik gehört unbedingt zum Leben dazu? Was bedeutet ein bestimmtes Stück für den Einzelnen oder die Einzelne? Wie weit kann die Gruppe den Vorlieben anderer folgen? 

Ida und ihr Mann Muis haben ein Stück aus ihrer Heimat Java mitgebracht, ein berührend schlichtes Lied, das den Klang eines Bambusflöte beschreibt. Ida erzählt von den verschiedenen Religionen, Kulturen und Sprachen, die in Indonesien zusammenkommen und von Insel zu Insel verschieden sind. Anschließend trägt sie das Lied vor, unterstützt von Gesangscoach Ausvinta Locci und Michael Zlanabitnig am Klavier. Die Melodie hat ihren eigenen Klang-Charakter, sie basiert auf einer Fünftonreihe und öffnet sofort Fenster in eine andere Welt. Die Sprache ist fremd: gam-bang su-ling nqu-man-dang swa-ra-ne. Die Gruppe spricht die Worte nach, tastet sich an das indonesische Lied heran.

Für alle Ohren vertraut klingt dagegen das Ave Maria von Bach/Gounod, das Cellist Andrea und Michael im Anschluss spielen, nur das indonesische Paar kannte es noch nicht. Aber sie mögen es: „Ich verstehe das Lied, ich erkenne die Freude, die daraus spricht, das tut so gut“, sagt Ida. Und Marianne ergänzt: „Die Musik ist wie ein Dünger für die Seele, um zu wachsen und wieder bereit zu werden für das Leben“. 

Zum Abschluss singt der Chor im Freizeitzentrum „Evening rise“. Und wie beim Schwimmenlernen wächst mit jeder Wiederholung die Bereitschaft, sich in die einfache Melodie fallen zu lassen und die Erfahrung zu machen: Sie trägt.

 

 

 

Ida Ridwan erzählt:

"Ich bin 54 Jahre alt und komme aus Bandung in Indonesien, das ist die Hauptstadt von West-Java. Man spricht Sundanesisch dort. Ich war Lehrerin für die Oberstufe am Gymnasium, und seit April 2000 bin ich in Deutschland weil mein Mann Muis hier schon länger lebt. Er war alleinerziehender Vater von fünf Kindern und ich dachte erst: O nein, das möchte ich nicht. Aber es war einfach Schicksal! Und jetzt kümmere ich mich um alles. Wir haben noch zwei gemeinsame Kinder bekommen und sind jetzt ein Paar mit sieben Kindern, fünf Schwiegerkindern und 12 Enkeln. 

Zuhause singe ich viel, Musik ist meine Leidenschaft seit ich klein bin. Seit 2015 habe ich mit Freunden eine Band, mit der wir auch auftreten, sie heißt Toffi Hamburg. Wir sind von ganz unterschiedlicher Herkunft und Religion und singen Lieder aus meiner Heimat Indonesien. Eigentlich sind wir zu sechst, aber wir laden immer wieder Gastmusiker ein, die dann mitspielen, Deutsche, Isrealis, ganz egal, woher. 

Singen ist für mich ein Zeichen von Liebe und Freude. Und das sind die Wurzeln von Gerechtigkeit. Dass wir lieben können und uns freuen ist ein Geschenk für Körper und Seele. Daran erinnere ich mich beim Singen und ich möchte das mit anderen teilen. Denn Liebe und Freude gehören uns nicht allein, wir müssen sie weitergeben. Manche fragen mich: Wie kannst du in der Öffentlichkeit singen, du bist doch Muslima! Aber ich sage: Gott ist der Schöpfer von Schönheit. Im Koran steht: „Allah lobt die Schönheit. Oh ihr! Zeigt die Schönheit!". Also schweigt nicht, sondern singt!"