Das Orchester im digitalen Raum

Kurz nach Beginn des ersten Lockdowns im März 2020 starteten die Symphoniker Hamburg mit ihren Online-Übertragungen, die mit fünfstelligen Zuschauerzahlen weltweit für Aufsehen sorgten.

Neben den beispiellosen 50 Sendungen des täglichen Streams »Laeiszhalle Live« verdeutlichte im Sommer vor allem das Gustav-Mahler-Projekt »Die liebe Erde allüberall«, wie das Laeiszhalle Orchester die Möglichkeiten des Internets als Kunst-Medium erforscht: Es war eine erste Auseinandersetzung mit der künstlerischen Dimension der Verbindung aus klassischer Musik, künstlicher Intelligenz und Internetkunst. Die Erschließung des digitalen Raums für die klassische Musik, vor allem die Suche nach Parametern für eine sinnvolle Online-Übertragung von Konzerten, nahm damit maßgeblich Fahrt auf.

Das Medium Internet haben die Symphoniker Hamburg bereits viele Jahre zuvor erfolgreich erprobt, etwa mit öffentlichen Proben unter der Leitung von Sir Jeffrey Tate. (»Close Up!« bei YouTube)

Im Laufe der Corona-Pandemie erwarben sie sich dann schnell den Ruf, über die reine Übertragung hinauszudenken: Wie lässt sich die Musik mit Bild, Ton, Text, algorithmischer Suche, Interaktion und anderen Möglichkeiten verbinden, die eben nur das Internet bietet?

Auch im Winter 2020/2021, als die Konzertsäle erneut schließen mussten, wurden mit Chefdirigent Sylvain Cambreling mehrere große, viel beachtete Projekte realisiert, die die Jetztzeit reflektieren – es gab kaum ein Land in der Welt, in dem nicht zugeschaut und zugehört wurde.

Zunächst erschien die in programmatischer Hinsicht die Welt verbindende CD »Folk Songs«. Silvester folgte das in Zusammenarbeit mit Christoph Marthaler realisierte Projekt »Beethovens 9. Symphonie« samt Gebärdensprache. Ins neue Jahr starteten die Symphoniker Hamburg traditionell mit dem Haspa Neujahrskonzert. Im Februar 2021 folgte die Übertragung eines Konzerts mit Martha Argerich und dem neuen Symphoniker-Flügel »Das blaue Wunder«, der in der Fachwelt bestaunt wird. Und alle Kinder zwischen drei und sechs (und mehr) freuten sich über Hasi-Online-Konzerte.

Auch wenn wieder Livekonzerte möglich sind, werden die Symphoniker Hamburg diesen innovativen, die Möglichkeiten erprobenden Weg weitergehen. Das Ziel ist offen.