Fest der Musik

Michael Zlanabitnig leitet seit 2018 das Projekt »MovINg Orchestra«, das am 12. Dezember 2019 mit dem »Fest der Musik« in der Laeiszhalle seinen Abschluss findet. So ein Projekt habe es noch nie gegeben, meint er. Das muss er mal genauer erklären ...

Was macht das »Fest der Musik« so einzigartig?

Bei diesem Projekt haben Profis und Laien, alte und junge Menschen, Bewohner aus wohlhabenden und aus benachteiligten Stadtteilen zusammengearbeitet – und zwar viele Monate lang. Seit Sommer vergangenen Jahres haben die Symphoniker Hamburg aktiv daran gearbeitet, klassische Musik aus der Laeiszhalle heraus in die ganze Stadt hinein zu tragen. Zu völlig unterschiedlichen Orten und Menschen, die gewöhnlich kaum mit klassischer Musik in Berührung kommen. Zum »Fest der Musik« kommt die Stadt nun in die Laeiszhalle.

Der Eintritt ist frei, und jeder kann kommen?

Aber ja! Alle Hamburgerinnen und Hamburger sind ganz herzlich eingeladen, sich ein Bild zu machen. Wir blicken zurück auf den Weg des Projekts. Neben den 30 bis 40 singenden Menschen wird das 25-köpfige Kammerorchester der Symphoniker spielen. Die Musik reicht von Bach und Mozart über Ravel und Piazzolla bis zu John Lennon und Hiphop. Schüler, Rentner, Geflüchtete unterschiedlichster Herkunft vom Freizeitzentrum Schnelsen, vom Haus im Park Bergedorf, vom Malteserstift St. Maximilian Kolbe / Generationenhaus Wilhelmsburg, aus der Stadtteilschule am Hafen und der Stadtteilschule Meiendorf sind dabei.

Mal kurz überlegen: Das heißt also, aus Hamburgs Norden, Süden, Osten und Westen?

Und Mitte! Es wird ein bewegendes Konzert – das sagt ja der Projektname »MovINg Orchestra«. Ich wage zu behaupten, dass das Publikum das individuellste und persönlichste Konzert erleben wird, das man sich vorstellen kann. Übrigens unter der mitreißenden Leitung von Dirigent Johannes Zurl.

Welche Idee steckt denn hinter dem Ganzen? Wolltest du dich mit den Symphoniker-Musikern schon immer mal viele Monate lang kreuz und quer durch 15 Hamburg bewegen?

Naja, wenn man die Stadt und die Menschen kennenlernen möchte, muss man eben viel reisen. Der zentrale Gedanke hat vielleicht zunächst gar nicht so viel mit Musik zu tun: Wir wollen alle Menschen einbinden und völlig wertfrei aufeinander zu gehen. Zu Beginn gibt es immer Hürden, die man überwinden muss. Aber ich habe ständig ganz viel Neugierde, Dankbarkeit und Offenheit gespürt. Und dann haben alle zusammen gemerkt, dass es besser ist, gemeinsam Musik zu machen, als keine Musik zu machen. Musik lehrt uns auf wunderbare Art Wertschätzung. Sie fordert jeden auf seine Art heraus. Sie fragt: Wer bin ich, wer bist du? Musik begegnet uns immer auf Augenhöhe, ob Laie oder Profimusiker, sie macht keinen Unterschied, alle äußerlichen, oberflächlichen Dinge werden zweitrangig. Sie tut einfach gut.

Du bist selbst Musiker geworden. Aus diesem Grund?

Absolut. Ich stamme aus Salzburg, habe an der Kunstuniversität Graz und an der Popakademie Mannheim studiert und beispielsweise beim Hamburger Jugendmusikprojekt The Young ClassX gearbeitet. Ein Wunsch hat mich seit meiner Jugend kaum losgelassen: als Musiker Welten zu verbinden. Und ich glaube, dieses Projekt zeigt nun Wege in die Zukunft der klassischen Musik auf, indem die Grenze zwischen Bühne und Publikum aufgehoben wird.

Diese neuen Wege suchen zurzeit viele Orchester. Haben »MovINg Orchestra« und das »Fest der Musik« Modellcharakter?

Ausdrücklich ja, das würde ich mir wünschen. Es gibt aber zwei wesentliche Voraussetzungen: Man braucht eine prinzipiell offene Gesellschaft und funktionierende soziokulturelle Strukturen, um die Menschen zu erreichen. Und, am wichtigsten: Leidenschaft für die Musik!

 

Das »Fest der Musik« bildet den offiziellen Abschluss des »MovINg Orchestra«-Projekts. Donnerstag 12.12.19 – 17.00 Uhr – Laeiszhalle, Kleiner Saal