Foto: Thibault Ulbrich

Grußwort von Intendant Daniel Kühnel

Verehrtes, liebes Publikum!

Wir stellen Ihnen in diesem Heft ein Programm vor, das in Zeiten von Pandemie, Krieg und Krise erdacht wurde – und dennoch kein düsteres ist. Es will weder direkter Kommentar noch Korrekturversuch sein, obwohl es ganz entschieden ein Kind seiner Zeit ist.

Vielmehr als aus den Fugen geraten, scheint mir diese Zeit auf tauben Bahnen in eine Zukunft zu gleiten, von der uns alle gewohnten Systeme des Wissens keine verlässliche Vorstellung vermitteln können. Eine freundliche Neubewertung der Möglichkeiten, die ein inbrünstiges, ja enthemmtes Vertrauen in Kunst schaffen kann, könnte die Erschließung neuer Quellen des Verstehens bedeuten. Jedenfalls dann, wenn wir Kunst als publike Sache, als ein Phänomen der Öffentlichkeit ansehen: als den Ort, an dem wir frei sind, das immer begrenzte Wissen zu verarbeiten und – in einem Akt – die stets unbegrenzte Fantasie auf das Wesentliche auszurichten.

Von Gelegenheiten und Angeboten zu solchem Wagnis, dem Wagnis der Kunst, ist das vorliegende Heft voll. Der Goethe’sche Flügelschlag, der Flügelschlag der Hoffnung, der zum Inspirationswort der Saison geworden ist, fordert uns nicht auf, alles hinter uns zu lassen, womöglich gar stumpf zu werden oder zu vergessen. Er versichert uns vielmehr einer Wahrheit, die unumstößlich scheint: Die Hoffnung ist gegenwärtig und beständig – gerade weil wir um den Schrecken wissen. Vielleicht ist die Hoffnung sogar auch jener Sturm, den Walter Benjamin als verfangen in den Flügeln von Paul Klees berühmtem »Angelus Novus« beschrieben hat: der Sturm vom Paradiese her.

Es ist allen Symphonikern Hamburg, ihrem Chefdirigenten Sylvain Cambreling, der neuen Ersten Gastdirigentin Han-Na Chang, unserem gesamten Team und mir eine große und helle Freude, Ihnen mit diesem Heft gleichsam eine Einladung zum kollektiven Flügelschlag überreichen zu können. Dieser gemeinsame Flug der hoffnungsfrohen Fantasie scheint nötiger denn je und wir freuen uns sehr auf Sie!

Herzlich Ihr
Daniel Kühnel
Intendant der Symphoniker Hamburg

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