Christoph Gottwald
Foto: J. Konrad Schmidt

Zweiter Trompeter

Christoph Gottwald

»Manchmal werde ich gefragt: Hat man als Blechbläser eigentlich auch mal Pause? Oder muss man ständig üben, um nicht den Ansatz zu verlieren? Das ist eine gute Frage. Wie jeder Musiker müssen auch die Trompeter trainieren. Früher habe ich tatsächlich selbst in den Sommerferien nie Pause gemacht, immer war die Trompete mit im Gepäck. Mittlerweile ist es etwas anders: Etwa zwei Wochen Ferien vom Instrument gönne ich mir in jedem Sommer. Das tut auch mal gut. Nach dem Urlaub oder einer Krankheit mache ich heute nicht mehr den Anfängerfehler und starte zu schnell, sondern ich gehe es etwas langsamer an und übe jeden Tag etwas mehr. Das ist dann schonender für die Lippen.

Seit genau 20 Jahren bin ich nun schon Zweiter Trompeter der Symphoniker Hamburg! Aufgewachsen bin ich in West-Berlin. Erste musikalische Einblicke gewann ich im Knabenchor der St. Hedwigs-Kathedrale; im Chor steht man im Konzert meistens genau hinter den Blechbläsern und kann sie gut beobachten. Der wunderbare Klang der Trompete hat für mich seit damals nichts an seiner Faszination verloren.

Mit elf Jahren erhielt ich Trompetenunterricht bei meinem ersten und langjährigen Lehrer Horst Eichler von den Berliner Philharmonikern. Er vermittelte mir schon früh, dass man überall – auch im Blasorchester, in einer Bigband oder bei der Tanzmusik – etwas lernen kann. Diese Vielseitigkeit kann man bei uns Symphonikern gut gebrauchen, wenn wir an einem Tag Mozart und am nächsten beispielsweise ein Filmmusikprogramm haben. Ich studierte von 1991 bis 1998 an der Hochschule der Künste in Berlin. Die Vielseitigkeit der Aufgaben schätze ich auch bei den Symphonikern sehr. Ich spiele gern Bach und natürlich Mahler oder Bruckner – das macht uns Blechbläsern viel Spaß. Zurzeit haben wir viele Konzerte mit groß besetzten Werken, gespannt bin ich zum Beispiel auf Claude Debussys »Heiliger Sebastian« Anfang Februar in der Elbphilharmonie. Oder auf Prokofjews fünfte Symphonie, die wir am 20. Januar in der Laeiszhalle spielen: Da habe ich auch als Zweiter Trompeter sehr viel Arbeit. Es gibt Werke, die man schon gut kennt, aber auch solche, wie diese Prokofjew-Symphonie, die ich mir vor der ersten Probe sehr genau anschauen muss. Das macht Spaß, weil es eine sehr intensive Arbeit ist.

Zu Hause bin ich in Farmsen; wenn ich Zeit habe, komponiere und arrangiere ich ein bisschen. Oder ich mache Sport in der Natur, Laufen und Radfahren. Denn der Ausgleich ist bei uns Musikern sehr wichtig für die körperliche und mentale Fitness. Aber ich kann es nicht anders sagen: Die Laeiszhalle ist seit 20 Jahren mein eigentliches Wohnzimmer. Und zugleich mein Arbeitszimmer. Ich fühle mich dort einfach zu Hause, die Akustik ist prima. Und ich empfinde es als Privileg, so einen Arbeitsplatz zu haben. Denn das ist es, was wir machen: Arbeit. Manche Zuhörer stellen sich uns Musiker vielleicht als vergeistigte Künstler vor, aber wir arbeiten jeden Tag hart und müssen unser Handwerk perfekt beherrschen. Die Kunst ist dann, es nicht nach Arbeit klingen zu lassen.

Mit Sylvain Cambreling haben wir nun einen tollen neuen Chefdirigenten. Es hat ein sehr angenehmes Wesen, führt das Orchester auf eine positive Art und Weise und strömt unheimlich viel Energie aus. Er ist jetzt in einer Zeit gekommen, in der es viele Wechsel gibt. Immer wieder begrüßen wir neue Musiker – es hat sich bewährt, dass das Orchester diese selbst aussucht, denn wir arbeiten jeden Tag eng zusammen und sehen die Kollegen manchmal öfter als die eigene Familie. Ich schätze diese Abwechslung und freue mich immer sehr, wenn neue Orchestermitglieder ihre ganz eigene Art zu musizieren mitbringen. Ich hoffe, die positive Entwicklung der Symphoniker geht noch lange so weiter.«

Christoph Gottwald ist Zweiter Trompeter der Symphoniker Hamburg seit 1998.

Nach ersten Versuchen auf der Trompete bei Horst Eichler studierte er von 1991-1997 an der Hochschule der Künste in Berlin bei Konradin Groth und Robert Platt. Er sammelte in vielen verschiedenen Bereichen der Musik Erfahrungen. So war er Mitglied des Ensembles United Berlin, der Jungen Deutschen Philharmonie und des Blechbläserensembles der Karajan Akademie, spielte unter anderem an der Komischen Oper Berlin bei den Brandenburger Symphonikern, am Niedersächsischen Staatstheater Hannover und der Radiophilharmonie Hannover. Er spielte mit Klaus Hoffmann bei dessen Musical Brel und arbeitete für CD-Aufnahmen mit ihm zusammen. In Hamburg spielte er beim Phantom der Oper.