Elmar Hönig
Foto: J. Konrad Schmidt

Bassklarinettist

Elmar Hönig

Eine Klarinette kennt man. Aber eine Bassklarinette? Wenn Sie sich unser Orchesterfoto im Treppenhaus der Laeiszhalle anschauen, dann sehen Sie mich mit meinem Instrument ganz vorn stehen. Man könnte fast denken, ich hätte ein ungewöhnlich langes Saxophon in der Hand, oder? Das ist das Besondere an der Bassklarinette: Sie hat unten einen geschwungenen Trichter. Dieser steht beim Spielen auf dem Boden, so dass sich die Schwingungen nicht nur über den Schall übertragen, sondern auch über die Bühne. Wenn das ganze Orchester im Forte spielt, höre ich mich manchmal kaum noch selbst – der Weg vom Trichter zu meinem Ohr ist ja lang, und von hinten kommen die lauten Blechbläser. Aber ich spüre meine Töne! Das ist ein gutes Gefühl: Alles vibriert. Und meine Kollegen spüren die Vibration auch. Ich gebe dem Ganzen eine zusätzliche Qualität, indem ich für tiefe Liegetöne sorge, die sozusagen im Keller wohnen. Oft sind es deshalb die dunklen, unheimlichen Passagen bei Mahler, Richard Strauss oder Wagner, in denen ich zum Einsatz komme.

Übrigens unterscheiden sich die Bühnen sehr. Beispielsweise die Elbphilharmonie hat aufgrund ihrer Konstruktion einen eher harten Boden. Dort ist die Vibration schwach. Ich habe schon in zahlreichen großen europäischen Sälen gespielt, aber keiner davon reicht meiner Meinung nach an die Qualitäten der Laeiszhalle heran. Die Bühne ist hier wie ein großer Kasten, der unten, oben, hinten und an der Seite vibriert. Natürlich nicht übermäßig, aber so, dass sich ein schöner Klang formt, der dann seinen Weg in den Zuschauerraum findet. Die Laeiszhalle ist wie ein Ohrensessel, auch als Musiker badet man hier im Klang. Sie ist für mich ein echtes Wohnzimmer. Und was ich besonders schätze, ist, dass schon ein Piano wirklich klingt. Auch wenn das Orchester sehr leise spielt, ist es bis in den zweiten Rang gut zu hören.

1966 wurde ich in Koblenz geboren, mit zehn Jahren hatte ich das erste Mal eine Klarinette in der Hand, seit 1998 bin ich Bassklarinettist der Symphoniker Hamburg. Ende September dieses Jahres feiere ich also mein 20-jähriges Jubiläum. Unglaublich, dass schon zwei Jahrzehnte vergangen sind! Und außerdem geht genau jetzt eine kleine Ära zu Ende: Viele ältere Kollegen, die bereits lange im Orchester waren, als ich anfing, hören auf. Von uns drei Klarinettisten gehen zwei, die ich beide beide sehr schätze: Wolfgang Braun und Herbert Rönneburg. Und es kommen zwei neue, auf die ich mich sehr freue: Fabian Ludwig und Frederik Virsik. Zudem gibt es Wechsel beispielsweise bei den Hörnern.

Und natürlich gibt es eine Veränderung an der Spitze des Orchesters: Ich bin sehr gespannt auf den Start von Sylvain Cambreling als neuer Chefdirigent. Die französische Art, Musik zu machen, mag ich sehr, dieses impressionistische Fließen und dieses Bildermalen mit Mitteln der Musik. Vor einem Jahr haben wir ja schon einmal mit Sylvain Cambreling zusammengearbeitet. Ich mag, wie er spricht und was er sagt – jede Faser seines Wesens strahlt Freude am Leben und an der Musik aus. Man nimmt ihm ganz automatisch jedes Wort ab. Andererseits kann man ihm nichts vormachen: Er fordert Qualität und dirigiert keineswegs nachlässig. Als gebürtiger Koblenzer liegt mir die rheinische Fröhlichkeit sehr – auch wenn ich nun seit Langem mit meiner Familie in Seevetal lebe. Diese Einstellung ist der einerseits direkten und andererseits entspannten französischen Lebensart ja recht nah. Ich glaube, mit Sylvain Cambreling können unsere Gäste und wir Symphoniker selbst Großes erleben.

Elmar Hönig ist Bassklarinettist der Symphoniker Hamburg seit 1998.

Elmar Hönig wurde 1966 in Koblenz geboren. Im Alter von 10 Jahren bekam er seinen ersten Klarinettenunterricht und spielte schon bald darauf in verschiedenen Kammermusikensembles und Jugendorchestern. Nach mehreren erfolgreichen Teilnahmen am Wettbewerb 'Jugend musiziert' begann er 1988 mit dem Hochschulstudium an der Musikhochschule Köln bei Prof. Franz Klein. Schon während des Studiums, dass er 1998 mit dem Konzertexamen bei Armin Ziegler erfolgreich abschloss, spielte er in verschiedenen deutschen Orchestern wie dem Städtischen Orchester Trier, dem Beethovenhallenorchester Bonn und dem SWR-Sinfonieorchester Baden-Baden und Freiburg. Seit 1998 ist er Bassklarinettist der Hamburger Symphoniker und wohnt mit seiner Familie in Seevetal.

Konzerte mit Elmar Hönig

Power Play

5. Kammerkonzert

Power Play

Laeiszhalle Hamburg

Mateusz Dwulecki, Klarinette Elmar, Mariusz Wysocki, Yu Sugimoto, Lin Chen

Werke von Rush, van Appledorn, Séjourné, Szalonek, Kocsár, Higgins, Kotoński, Krauze und Serocki

Tickets ab 8,00 €

So, 31.03.2019 11:00 Uhr
Symphonisches Bläserquintett

6. Kammerkonzert

Symphonisches Bläserquintett

Laeiszhalle Hamburg

Susanne Barner, Marc Renner, Elmar Hönig, Christian Ganzhorn, Péter Gulyka, Patricia Ramírez-Gastón

Werke von Brahms, Janáček und Farrenc

So, 28.04.2019 11:00 Uhr