Jadwiga Hörömpö

2. Violine

Jadwiga Hörömpö

„Wenn die Symphoniker Hamburg nun ihren 60. Geburtstag feiern, wird mir klar, dass ich auch schon lange dabei bin. Ich bin seit 1980 festes Mitglied des Orchesters, es gibt nur noch ein paar Bläser, die dem Orchester länger als ich angehören. In den vergangenen 37 Jahren habe ich hier sehr viel erleben dürfen: Höhen und Tiefen, fantastische Konzerte, spannende Tourneen – wie zum Beispiel vor wenigen Wochen in Japan, wo wir neun Konzerte vor begeistertem Publikum gegeben und fast das gesamte Land kennengelernt haben.

Bevor ich aus meiner Heimat Polen zu den Symphonikern kam, habe ich Geige und Geigenbau in Posen studiert. Es war damals wie ein Lottogewinn, eine Festeinstellung an einem so renommierten Orchester zu bekommen – und bis heute ist dieses fantastische Orchester wie eine zweite Familie für mich. Mein damaliger Weg war in der Tat sehr abenteuerlich. Zunächst hatte ich das Glück, ein einwöchiges Praktikum bei einem Hamburger Geigenbauer zu bekommen. Nach einer Woche sagte mein Geigenbaumeister dann: »Bis morgen.« Und ich war überglücklich – denn ohne es auszusprechen, hatte er das Praktikum verlängert. In den nächsten Wochen kam eine Musikerin der Symphoniker in die Geigenbauwerkstatt. Sie hörte, wie ich Klangproben verschiedener Geigen machte, und lud mich spontan zu einem stattfindendem Probespiel ein. Ich hatte nur drei Tage Zeit zur Vorbereitung, spielte auf einer von mir selbstgebauten Geige, konnte die zuhörenden Musiker von meiner Leistung überzeugen und wurde ins Orchester aufgenommen. Dies war ein unglaublich schöner Augenblick in meinem Leben.

Ursprünglich sahen meine beruflichen Pläne etwas anders aus. Ich wollte als Kind immer Chirurgin werden, wurde aber von meinen damaligen Förderern stets aufgemuntert, beim Musizieren zu bleiben. Meine Begeisterung für Chirurgie und präzise, feinmotorische »Eingriffe« konnte ich dann doch noch mit meiner Tätigkeit als Geigenbauerin verwirklichen. Auch heute arbeite ich nebenbei als freiberufliche Geigenbauerin, optimiere den Klang der mir anvertrauten Instrumente, repariere und restauriere diese zur Freude und Zufriedenheit ihrer Besitzer.

Nach meinem beruflichen Glück im Orchester fand ich auch privat das große Glück – ebenfalls im Orchester: Ich verliebte mich in den damaligen Ersten Konzertmeister Prof. Janos Hörömpö. Wir heirateten und bekamen einen tollen Sohn. Leider währte das Glück nicht lange – neun Monate nach der Geburt unseres Sohnes starb mein Ehemann 1986 nach schwerer Krankheit. Es war ein für mich sehr schwerer und einschneidender Lebensabschnitt. Der Zusammenhalt im Orchester war damals wie heute sehr fürsorglich und freundschaftlich und gab mir die nötige Kraft. Dies hat auch über Momente hinweggeholfen, in denen die Existenz der Symphoniker gefährdet war. Heute bin ich sehr froh und stolz, dass wir ein gesund gewachsenes und stabiles Orchester sind. Wir spielen ein sehr vielseitiges Repertoire mit hohen Anforderungen an jeden einzelnen Musiker.

Ich blicke gerne in die Vergangenheit und noch viel lieber in die Zukunft. Mit den Symphonikern Hamburg möchte ich auch weiterhin mit viel Freude, Motivation und Kraft am Musizieren unser Publikum für die klassische Musik gewinnen und begeistern.“

Jadwiga Hörömpö ist Musikerin in der Gruppe der 2. Violinen bei den Symphonikern Hamburg seit 1980

Jadwiga Hörömpö studierte Geige und Geigenbau in Posen (Polen). Neben ihrem hauptberuflichen Engagement im Orchester ist sie als selbstständige Geigenbauerin tätig.