Laura Halina Mead
Foto: J. Konrad Schmidt

1. Violine

Laura Halina Mead

Laura Halina Mead ist Musikerin in der Gruppe der 1. Geigen bei den Symphonikern Hamburg seit 2018.

Früher dachte ich: Mädchen spielen Geige, und Jungs spielen Oboe. Etwas anderes ist nicht möglich. Woher ich diese Vorstellung hatte? Ganz einfach: Meine Mutter spielt beruflich Geige und mein Vater Oboe. Inzwischen weiß ich, dass Mädchen und Jungs auch andere Instrumente spielen können – immerhin ist mein Bruder Pianist geworden. Aber mit vier Jahren hielt ich also das erste Mal eine kleine Geige in der Hand. Und bin bis heute von diesem Instrument begeistert. Es gibt so viel schöne Literatur für die Violine, so viele verschiedene Klänge, um so Vieles auszudrücken.

Aufgewachsen bin ich in Hilchenbach (Nordrhein-Westfalen), meine Mutter stammt aus Polen, mein Vater aus England. Die Stadt ist nicht gerade der Nabel der Welt, also ging ich als Teenager parallel zur Schule als Jungstudentin an die Kölner Hochschule für Musik und Tanz. Nach dem Abitur führte mich mein Bachelor- und Masterstudium in den folgenden Jahren außerdem nach London, Luzern und Freiburg – zwischenzeitlich hatte ich auch einen Zeitvertrag bei den Münchner Philharmonikern. Im Verlauf meines Studiums entwickelte sich der große Wunsch, im Norden Deutschlands zu arbeiten, denn mein Freund ist Schlagzeuger und arbeitet an der Oper in Kiel.

Was für ein Glück, dass es vor einem Jahr, kurz nach Abschluss meines Konzertexamens in Freiburg, mit dem Probespiel bei den Symphonikern Hamburg geklappt hat! Nun wohne ich in Kiel, bin in nur 20 Minuten am Meer und fahre zu den Proben und Konzerten an die Elbe. Mit einer halben Stelle lässt sich das gut machen. Und im Zug habe ich viel Zeit, zu lesen, mich auf kommende Projekte mental vorzubereiten oder einfach nur aus dem Fenster zu schauen...

Meine halbe Stelle ermöglicht es mir auch, neben der Orchesterarbeit viel Kammermusik zu machen. Ich habe drei Ensembles, die in meiner Studentenzeit in Luzern und Freiburg entstanden sind und mit denen ich regelmäßig auftrete: Ein Klavierquar- tett, ein Harfenquintett und ein Duo mit einer Harfenistin.
Die Laeiszhalle, in der die Symphoniker Residenzorchester sind, ist ein wunderbarer Konzertsaal mit einer herausragenden Akustik. Ich freue mich sehr, solch herzliche Kollegen zu haben. An unserem Chefdirigenten Sylvain Cambreling schätze ich sehr, dass er trotz seiner reichen Erfahrung mit uns immer auf Augenhöhe arbeitet. Er ist immer positiv, gibt viel Energie. Und er nimmt auch Werke einiger meiner Lieblingskomponisten ins Programm: Von Debussy, Ravel, Mahler, Richard Strauss und Schostakowitsch.

Ich mag diese Art Musik sehr, bei der die Bühne voll besetzt ist. Ich übe meine Stimme zuhause, oftmals auch mit Aufnahmen – vor allem wenn das Werk für mich neu ist, um einen besseren Überblick darüber zu bekommen, welche unterschiedlichen Rollen meine Stimme an welchen Stellen einnehmen muss. Die Vorbereitung kann natürlich herausfordernd sein, vor allem wenn es nur hier und da kleine »Effekte« und keine langen offensichtlichen Melodien in meiner Stimme gibt. Wenn dann aber alle auf der Bühne zusammenkommen, wenn man Teil eines großen Ganzen wird und alle Stimmen sich zusammenfügen wie ein wunderschönes, hochkomplexes Puzzle, um das großartige Bild erklingen zu lassen, ist es immer wieder eine wahnsinnig tolle Erfahrung und sorgt bei mir nicht selten für Gänsehaut!