1. Violine

Laura Halina Mead

Wenn ich jemandem meinen Lebenslauf erzähle, sorgt eine Tatsache oft für Erstaunen: Als ich vor zwei Jahren bei den Symphonikern Hamburg anfing, studierte ich noch.

Dann werde ich gefragt: »Wie geht das – ohne ein abgeschlossenes Studium eine Stelle antreten?« Das ist in unserer Branche aber gar nicht so ungewöhnlich, denn es kommt nicht so sehr wie bei anderen Berufen auf die Formalitäten an. Wichtig ist die Erfahrung, die man gesammelt hat. Und vor allem das Probespiel: Man spielt einer Auswahl von Orchestermusiken vor, zuerst hinter einer Wand oder einem Vorhang, damit die Anonymität gewahrt bleibt. Die Orchestermusiker stimmen darüber ab, wen sie in einer weiteren Runde (dann meist ohne den Vorhang) hören möchten. Und wenn man am Ende die Mehrheit überzeugen konnte, dann bekommt man die Stelle. Bei mir war zum Glück gleich der erste Probespielversuch erfolgreich. Meinen Masterabschluss an der Universität der Künste Berlin in der Klasse von Prof. Mark Gothoni habe ich ein halbes Jahr später nachgeholt. Obwohl ich dafür immer wieder zwischen Berlin und Hamburg pendeln musste, war das kein Problem. Und nun bin ich auch eine Orchestermusikerin mit abgeschlossenem Studium.

Geboren wurde ich 1989 in Moers, mit fünf Jahren erhielt ich meinen ersten Geigenunterricht. Es folgten Stationen als Jungstudentin an der Hochschule für Musik und Theater Rostock, später an der Folkwang Universität der Künste, an der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien und dann eben in Berlin.

Obwohl ich schon mehrere Jahre in verschiedenen Orchestern gespielt habe, gibt es immer wieder große Werke, die mir bei den Symphonikern zum ersten Mal begegnen. Im September war es zum Beispiel Bruckners 9. Symphonie – ein wirklich tolles Konzert mit Ion Marin zur Saisoneröffnung. Oder »Eine Alpensymphonie« von Richard Strauss im April mit Sir Jeffrey Tate – es war leider die letzte gemeinsame Arbeit mit ihm vor seinem Tod.

Hamburg kannte ich vorher kaum, aber mittlerweile habe ich die Stadt kennen und lieben gelernt. Seit einem halben Jahr wohne ich nun in Uhlenhorst, und ich genieße das breite Angebot, das die Stadt zu bieten hat, besonders kulturell und kulinarisch. Die Menschen, die mir begegnen, sind zudem entgegen dem Klischee erstaunlich nett und offen.

Ich wurde von Anfang an gut aufgenommen bei den Symphonikern und habe mich gleich wohl gefühlt. Dabei waren Reisen immer eine tolle Möglichkeit, die Kollegen noch besser kennenzulernen. Unsere Tournee im Sommer nach Japan – ein Land, das mit seiner verrückten Mischung aus Moderne und Tradition einen großen Eindruck bei mir hinterlassen hat – war eine wunderbare Erfahrung und hat uns alle noch mehr zusammengeschweißt.

Wenn ich keinen Orchesterdienst habe, mache ich gerne Kammermusik. Am liebsten spiele ich Streichquartette, vor allem von Mozart, Haydn oder Schubert. Schon seit vielen Jahren ist mir das sehr wichtig, und ich habe mich bewusst für eine halbe Stelle entschieden, damit mir noch genügend Zeit dafür bleibt. Ich finde es toll, mit den anderen drei Musikern auch mal nur über einen einzigen Ton oder eine Phrase diskutieren zu können. Die Arbeit mit den verschieden Dirigenten und Solisten im Orchester liefert dabei immer wieder neue Inspiration für die Kammermusik, und umgekehrt profitiere ich im Orchester immer wieder von der besonderen Aufmerksamkeit, die man beim Kammermusikspiel lernt.

Bianca Adamek ist Musikerin der 1. Geigen bei den Symphonikern Hamburg in der Saison 15/16.

Bianca Adamek wurde 1989 in Moers/Deutschland geboren und erhielt ihren ersten Geigenunterricht im Alter von fünf Jahren. Schon früh gewann sie mehrere erste Preise bei Jugend musiziert. Ab 2001 wurde sie von Prof. Petru Munteanu unterrichtet, in dessen Klasse an der Hochschule für Musik und Theater Rostock sie 2003 als Jungstudentin aufgenommen wurde. Nach dem Abitur studierte sie an der Folkwang Universität der Künste in der Klasse von Nikolai Mintchev, anschliessend an der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien bei Prof. Rainer Küchl. Derzeit setzt sie ihr Studium an der Universität der Künste Berlin in der Klasse von Mark Gothoni fort. Zudem besucht sie die Kammermusikklassen von Andreas Reiner (Rosamunde Quartett) und Eckard Runge (Artemis Quartett). 2002 gewann sie einen zweiten Preis beim Wettbewerb Young Musician in Tallinn/ Estland, und erhielt einen europäischen Förderpreis für junge Künstler der Stiftung Pro Europa. 2003 war sie Finalistin beim Internationalen Violinwettbewerb Andrea Postaccini in Fermo/Italien und gewann einen 4. Preis beim Internationalen Wettbewerb für Violine Кloster Schöntal. Meisterkurse besuchte sie unter anderem bei Stefan Gheorgiu, Igor Oistrach, Mintcho Mintchev, Yair Kless und Gordan Nikolic.