Noemí González Medina
Foto: J. Konrad Schmidt

Wechselhornistin

Noemí González Medina

Noemí González Medina ist Wechselhornistin bei den Symphonikern Hamburg seit 2018.

Oft werde ich gefragt, warum ich Horn spiele. Meine Antwort: Es war ein großer Zufall! 1992 wurde ich in Spanien – in der Nähe von Madrid in Segovia – geboren. In meiner Familie gibt es keine Musiker, aber ich hatte ein paar Musikspielsachen wie zum Beispiel ein kleines Keyboard. In der Musikschule gab es viele Instrumente: Cello, Kontrabass, Fagott, Horn, Posaune oder Tuba. Aber damals, mit neun Jahren, faszinierten mich vor allem die Blasinstrumente. Als ich zum ersten Mal ein Horn in der Hand hatte, dachte ich nur: Es sieht so schön aus! Ob es schwierig war, einen Ton herauszubekommen, kann ich nicht mehr sagen. Wie auch immer: Ich erhielt Unterricht an der Musikschule in Segovia.

Nach dem Abitur studierte ich an der Musikhochschule in Barcelona bei Professor Jose Vicente Castelló – mein dortiges Diplom erhielt ich 2015. Anschließend setzte ich mein Masterstudium bei Professor Johannes Hinterholzer an der Hochschule für Musik und Theater in München fort und spielte in verschiedenen Jugendorchestern. Als Aushilfe und Akademistin kam ich unter anderem zum Mahler Chamber Orchestra, und die Humboldt Stiftung gab mir das Wardwell Stipendium. 2018 gewann ich ein Probespiel bei den Symphonikern Hamburg, das Probejahr habe ich erfolgreich absolviert, und nun bin ich also Wechselhornistin bei den Symphonikern, das bedeutet, ich spiele Horn in unterschiedlich hohen Lagen.

Vorher kannte ich diese Stadt nur als Touristin, aber ich hatte schon damals eine besondere Verbindung zu Hamburg gespürt. Seit mehr als einem Jahr wohne ich nun schon hier – in Hohenfelde. Vom ersten Tag an habe ich mich im Orchester zu Hause gefühlt. Die Kollegen sind toll, die Stimmung ist gut, wir haben viel Spaß. Als Blechbläserin kann man es sich schnell mit allen Nachbarn verscherzen, glauben Sie mir! Deshalb schätze ich es sehr, dass wir in der Laeiszhalle Proberäume haben.

Zu meinem Lieblingskomponisten gehören Gustav Mahler, Anton Bruckner und Richard Strauss – das habe ich wohl mit vielen Blechbläsern gemeinsam. Kein Wunder, denn bei diesen Komponisten wird es laut, und wir haben viel zu tun. Ich erinnere mich sehr gut an das Konzert im Februar 2019, bei dem wir Bruckners siebte Symphonie gespielt haben. Es gehört zu meinen persönlichen Highlights dieses Jahres. Wir hatten eine starke Energie, außerdem hat unser Chef Sylvain Cambreling dirigiert. Ich mag die Arbeit mit ihm sehr, weil er immer nett ist und es schafft, eine gute Stimmung zu verbreiten.

Gute Stimmung macht übrigens auch die Educationarbeit der Symphoniker. Ich war schon ein paar Mal in Kindergärten oder in Schulen dabei. Diese Arbeit finde ich sehr wichtig für die Zukunft der klassischen Musik, man spürt schnell, mit welch großer Begeisterung die Kinder uns zuhören und mit uns spielen wollen.

Es stimmt, dass das Horn schwer zu spielen ist. Jeder hört schnell, wenn ein Ton nicht exakt getroffen wird. Das Mundstück ist klein, und wir müssen hoch konzentriert sein. Es geht also darum, auch bei aufregenden Werken cool zu bleiben. Und wenn das ganze Orchester Gas gibt, macht es am meisten Spaß. Es stört mich dann überhaupt nicht, wenn es richtig laut wird. Der Große Saal der Laeiszhalle kann damit akustisch sehr gut umgehen. Nun freue ich mich zum Beispiel auf Beethovens Sechste am 19. Dezember und auf Schostakowitsch‘ 15. Symphonie am 26. Januar.