Paweł Kisza
Foto: J. Konrad Schmidt

Stimmführer 2. Violinen

Paweł Kisza

Als Geiger hat man es manchmal nicht leicht. Man kann noch so viel üben, aber irgendwie klingt es trotzdem nicht gut. Denn der Klang hängt, wie Sie wahrscheinlich wissen, zum Teil vom Instrument ab. Es ist unser Handwerkzeug. Vor einiger Zeit hatte ich da großes Glück. Eines Tages kam ich zu einem Geigenbauer. Dort lag eine Geige, einfach so auf dem Tisch. Ich schaute sie an, nahm sie in meine Hände und spielte ein paar Töne. Ich wusste sofort, sie ist etwas Besonderes. Es war wie Liebe auf den ersten Blick!

Das gibt es nur noch selten: Dass ein Instrument irgendwo zum Verkauf angeboten wird, das zwar sehr alt, aber immer noch im guten Zustand ist. Es begann ein Jahr mit vielen schwierigen Verhandlungen zwischen dem Händler, Besitzer, diversen Gutachtern, der Versicherung und meinen Sponsoren. Eines Tages klingelte bei mir das Telefon und eine Stimme sagte mir: „Herr Kisza, viel Spass mit der neuen Geige...!“ Seitdem kann ich die Geige mein Eigen nennen, wir sind unzertrennlich! Sie ist 250 Jahre alt, gebaut in Neapel von Nicola Gagliano, dessen Vater bei Antonio Stradivari in der Werkstatt gearbeitet hat.

Aber noch etwas anderes ist sehr wichtig für den Klang: Man muss das Instrument regelmäßig pflegen und warten lassen. Ich arbeite mit Geigenbauern in Berlin, Bremen, Amsterdam und Paris zusammen. Sie stellen regelmäßig den Klang mit dem Stimmstock ein. Darauf lege ich viel Wert.

Ein Grund für diese Perfektion ist vielleicht, dass mein Vater auch Geiger war. Ich kam im polnischen Bromberg zur Welt. Mein Vater war Konzertmeister im dortigen Sinfonieorchester und unterrichtete an der Musikhochschule. Meine Mutter unterrichtete Geschichte und Philosophie an einem Kunst-Gymnasium. Als ich fünf Jahre alt war, zog meine Familie nach Bad Pyrmont. Mein Vater unterrichtete mich auf der Geige, als ich sieben war, und mit zwölf erhielt ich Unterricht von einem Konzertmeister aus Hannover. Nach meinem Abitur in Hameln begann ich mein Studium an der Musikhochschule in Hannover und wechselte später an die Freiburger Musikhochschule in der Meisterklasse von Professor Rainer Kussmaul. Dieser war wenige Jahre zuvor Konzertmeister der Berliner Philharmoniker unter Maestro Claudio Abbado gewesen. In der Klasse herrschte grosses Interesse und viel Begeisterung für den modernen Musizierstil, den Abbado mit seinem Orchester pflegte.

Auf der Suche nach neuen Zielen und neuer Inspiration ging ich in die USA nach Boston. Dort studierte ich bei Donald Weilerstein. Er ist einer der wenigen Geigenlehrer der Welt, die es verstehen, die Violine, den Studenten und dessen Vorstellungskraft miteinander zu verbinden und in Harmonie zu bringen. Die Zeit am New England Conservatory war sehr wertvoll und wichtig in meiner Studienzeit. Diese beendete ich in Hamburg mit dem Konzertexamen – übrigens in einem Konzert mit den Symphonikern Hamburg.

Ich bin froh, dass ich in diesem vielseitigen und neugierigen Orchester mitarbeiten darf. Ich lebe gern in Hamburg, erlebe hier viel klassische Musik, Kunst und Kultur. Meine Ruhe suche ich oft in der Natur, in den zahlreichen Parks. Ich mag sehr die Nähe zu Alster und Elbe.

Vielleicht wird aus Hamburg ja nun wirklich eine echte Musikstadt. Aufregend war es für uns im Januar, als wir das erste Mal in der neuen Elbphilharmonie spielten. Die Architektur ist beeindruckend, die Akustik aber schwierig. Als Residenzorchester der Laeiszhalle spielen die Symphoniker ja weiterhin hauptsächlich am Johannes-Brahms-Platz. Und das freut mich. Denn hier ist die Akustik wärmer, hier fühle ich mich wohler und geborgener.

Paweł Kisza ist Konzertmeister der 2. Violinen der Symphoniker Hamburg seit 2015.

Pawel Kisza begann mit dem Violinspiel im Alter von 7 Jahren und wurde zunächst von seinem Vater unterrichtet.

Er errang zahlreiche Preise beim Wettbewerb "Jugend Musiziert" (1992 und 1994) in der Solowertung Violine. 1996 wurde er Preisträger des 1. Bundespreises. Auch in der Kategorie Streichquartette war er 1991 beim Bundeswettbewerb erfolgreich.

1994 wurde Pawel Kisza beim "Internationalen Wieniawski-Lipinski Violinwettbewerb" ausgezeichnet und erspielte sich beim "Internationalen Musikseminarium" in Gdansk (1996) den Grand Prix. 1997 wurde er Stipendiat der Deutschen Stiftung Musikleben. Außerdem war er mehrfacher Stipendiat der Carl-Flesch-Akademie Baden-Baden sowie der Sinfonima Stiftung in Mannheim.

Nach dem Abitur am Viktoria-Luise-Gymnasium in Hameln (1998) begann er sein Studium an der Musikhochschule in Hannover und wechselte 1999 an die Freiburger Musikhochschule in die Meisterklasse von Prof. Rainer Kussmaul, wo er 2003 sein Diplom mit der Höchstnote absolvierte.

Seit seiner frühen Kindheit trat er solistisch sowie kammermusikalisch in vielen Ländern Europas und den USA auf; darunter sind solistische Auftritte in der New Yorker Carnegie Hall (2004 und 2005) und Auftritte beim Schleswig-Holstein-Musikfestival als Kammermusikpartner von Stargeigerin Midori. Als Solist spielte er mit dem Amadeus Chamber Orchestra, dem Orchester des Staatstheaters Kassel, dem Göttinger-Symphonie-Orchester, dem Torun Chamber Orchestra, der Max-Bruch-Philharmonie u.a.

Außerdem hat Pawel Kisza Studioproduktionen für den Hessischen Rundfunk, den Norddeutschen Rundfunk, Polish Radio sowie TV-Produktionen für das ZDF gemacht.

Von 2003-2006 studierte er im Rahmen eines DAAD-Stipendiums am renommierten New England Conservatory of Music in Boston/USA bei Donald Weilerstein.

2004 gewann er mit dem Alkipelos-Streichquartett den Kammermusikwettbewerb am New England Conservatory. Weitere wichtige künstlerische und musikalische Impulse erhielt er von Thomas Brandis, Saschko Gawriloff, Lewis Kaplan, Herman Krebbers, Wolfgang Marschner, Midori, Igor Ozim, Wanda Wilkomirska sowie von Mitgliedern des Cleveland-, Juilliard-, Takács- und Alban Berg Quartetts.

Von 2006-2009 absolvierte er sein Konzertexamen an der Hamburger Musikhochschule und gewann 2007 den 1. Preis des Wettbewerbs der Elise-Meyer-Stiftung.

Konzerte mit Paweł Kisza

Kein seltsames Paar

6. Lunchkonzert

Kein seltsames Paar

Laeiszhalle Hamburg

Paweł Kisza Violine

Mariusz Wysocki Violoncello

Werke von Ravel, Händel/Halvorsen u. a.

Di, 12.02.2019 12:30 Uhr