Tedi Papavrami
Foto: Kaupo Kikkas

Violinist

Tedi Papavrami

Als er als Kind von Albanien nach Frankreich umsiedelte, entdeckte Tedi Papavrami ein Land und eine Kultur, die ihm völlig fremd waren. Seine angeborene Neugierde, die Notwendigkeit, die französische Sprache zu erlernen, um sich dort heimisch zu fühlen, und seine große Einsamkeit in den ersten Jahren bewogen ihn dazu, etliche Bücher zu verschlingen: Stendhal, Proust, Flaubert, Dostojewski, Tschechow, Kafka. Alles auf Französisch...

Dies zeichnet den ungewöhnlichen Interpreten noch immer aus: Seine Neugierde, seine intellektuellen und künstlerischen Ansprüche, die ihn ständig dazu anspornen, die Entfernung zwischen seiner Heimat und anderen Horizonten zu überbrücken. Schon in seiner Kindheit konzentrierte er sich voll und ganz auf sein Instrument; die Geige wurde zu einem unerlässlichen Teil seines Lebens, seitdem er als Fünfjähriger den ersten Unterricht vom eigenen Vater bekam. Drei Jahre später konnte er schon in Begleitung des Philharmonischen Orchesters von Tirana die Zigeunerweisen von Pablo de Sarasate öffentlich vortragen. Und als Elfjähriger nahm er Paganinis erstes Violinkonzert mit der extrem virtuosen Kadenz Émile Saurets in Angriff.

Der französische Flötist Alain Marion konzertierte damals in Albanien und wurde durch Zufall auf den jungen Geigenvirtuosen aufmerksam. Er lud ihn ein, mit einem französischen Stipendium nach Paris zu kommen. Tedi Papavrami studierte bei Pierre Amoyal am Conservatoire National Supérieur. Nach mehreren Auszeichnungen startete er von den 90er-Jahren an eine Karriere als Solist und als Kammermusiker. Seitdem arbeitete er mit berühmten Dirigenten wie Kurt Sanderling, Antonio Pappano, Armin Jordan, Emmanuel Krivine, Manfred Honeck und François Xavier Roth zusammen.

Tedi Papavrami lebt in Genf, wo er seit 2008 an der Haute École de Musique eine Geigenprofessur innehat. Er spielt auf einer der zwei Geigen, die Christian Bayon für ihn gebaut hat.