Chefdirigent seit 2009:
Sir Jeffrey Tate

Erster Gastdirigent:
Ion Marin

Erster Gastkünstler:
Guy Braunstein

Intendant:
Daniel Kühnel

Residenz:
Laeiszhalle, Hamburg

60 Jahre Symphoniker Hamburg

Ein Rückblick auf sechs Jahrzehnte, in denen sich das originäre Hamburger Konzertorchester höchstes Ansehen erworben hat

Die Musiker der Symphoniker Hamburg haben in den sechs Jahrzehnten ihres Bestehens Außergewöhnliches geleistet – unter Bedingungen, die nicht nur teilweise dramatisch waren, sondern den Beteiligten oftmals auch viel mehr abverlangten, als es die Norm für ein Orchester ist. Nur durch die starke Identifikation mit ihrem Orchester und durch die Begeisterung für die Musik und die Aufführungen sowie dank dem klugen Agieren des Vorstands konnte das gelingen.

Die Symphoniker Hamburg sind aus dem Zusammenschluss mehrerer kleinerer Hamburger Orchester entstanden. Zunächst vereinigten sich 1957 das Hamburger Symphonieorchester und das Hamburger Kammerorchester, 1961 kamen noch die Musiker des Bach-Orchesters unter Robert Stehli hinzu. Diese Orchestervereinigung formierte zunächst »Vereinigte Hamburger Orchester e. V.«, bis sie 1961 den Namen »Hamburger Symphoniker« annahm. Erster Chefdirigent war Robert Heger, der gleichzeitig auch als Staatskapellmeister der Münchner Staatsoper fungierte. Ihm folgte Gabor Ötvös. Bereits ein Jahr nach der Gründung 1957 hatte die Stadt beschlossen, das Orchester durch öffentliche Mittel zu fördern, weil es seine Leistungsfähigkeit in den Konzerten unter Beweis gestellt hatte und die Notwendigkeit eines weiteren Orchesters in Hamburg gegeben war.

Schon vor ihrer eigentlichen Gründung spielten die Symphoniker zum ersten Mal bei den Eutiner Festspielen. Bis 2009 waren sie in den Sommermonaten Juli und August regelmäßig im malerischen Eutin zu Gast, wo vor der Tribüne am Seeufer des Eutiner Schlossgartens 1951 bis 2010 Opern und Operetten erklangen. Von 1960 bis 1966 waren die Symphoniker zusätzlich Hausorchester bei den Opernfestspielen Hannover-Herrenhausen. Ebenfalls in den Sommermonaten veranstalten die Symphoniker seit 1966 die äußerst erfolgreichen Rathauskonzerte. Die Konzerte im Ehrenhof zwischen dem Hamburger Rathaus und der Handelskammer sind bis auf den heutigen Tag ein stets ausverkaufter Dauerbrenner. Sollte das Wetter im sonnigen Hamburg ausnahmsweise einmal nicht mitspielen, weicht man in den nebenan gelegenen Börsensaal der Handelskammer aus.

Eine langjährige Zusammenarbeit verbindet die Symphoniker mit vielen Hamburger Institutionen. 1963 begann die Kooperation mit der Musikgemeinde Harburg. Seit 1968 arbeitet das Orchester mit der Hochschule für Musik und Theater zusammen. Als Hausorchester begleitet es jedes Jahr eine Opernproduktion für das Junge Forum Musiktheater und spielt bei Examenskonzerten für Sänger, Instrumentalisten und Dirigenten. Auch in der 2007 ins Leben gerufenen Orchesterakademie, in der die talentiertesten Studierenden der Musikhochschule Shanghai im Rahmen eines Masterstudiengangs für Orchestermusik in Hamburg ausgebildet werden, sind die Symphoniker aktiv. Mit der Hamburgischen Staatsoper und dem Ballett von John Neumeier wirkten sie zum ersten Mal 1979 zusammen. Eine neue Publikumsschicht erschließen sich die Symphoniker seit 1970 mit den Kinderkonzerten, die bis 1984 von Wilhelm Brückner-Rüggeberg geleitet wurden. Die Symphoniker mischen hier klassisches Repertoire mit speziell für Kinder komponierten Werken.

Mitte der 1970er Jahre bangten die Symphoniker um ihre Existenz, da der Senat 1975 beschlossen hatte, dem Orchester keine Unterstützung mehr zu gewähren. Welchen Status das Orchester in der Öffentlichkeit gewonnen hatte, bewies der ungeahnte Proteststurm, der auf diese Entscheidung folgte. Publikum, Künstler, Medienvertreter und viele Politiker erklärten sich solidarisch mit den Musikern und forderten den Fortbestand des Orchesters. Besonders wichtig war die Intervention des damaligen Bundeskanzlers Helmut Schmidt. Aber auch Herbert von Karajan und Leonard Bernstein setzten sich für die Symphoniker ein. Am 30. März 1976 bekundete der Senat seine Bereitschaft, das Weiterbestehen des Orchesters durch angemessene Subventionen zu sichern. Für seine hervorragende Arbeit erhielt das Orchester 1982 zu seinem 25. Geburtstag die Brahms-Medaille der Stadt Hamburg.

Ob im Bereich Musikvermittlung oder in der Erschließung neuer Kommunikationswege, unter ihrem seit 2004 aktiven, kreativen Intendanten Daniel Kühnel mit seinen innovativen Ideen verknüpfen die Symphoniker Bewährtes mit Neuem. Ausgedehnte Konzertreisen wurden durchgroßzügige Spenden von Hellmut Wempe und der Hubertus Wald Stiftung ermöglicht.

Als Nachfolger von Andrey Boreyko leitet seit der Spielzeit 09/10 Sir Jeffrey Tate das Orchester, das 2010 endlich als A-Orchester anerkannt wurde und seit 2016 den Namen »Symphoniker Hamburg« trägt. Dass Sir Jeffrey Tate ein begnadeter Musikvermittler und Orchestererzieher ist, beweisen seine begeistert aufgenommenen Close-Up-Proben, in denen das Publikum dem Dirigenten bei der Arbeit auf die Finger schauen kann – live und später auch im Internet. Seit 2017 sind die Symphoniker das Residenzorchester der Laeiszhalle und haben damit die wichtige Aufgabe übernommen, die ruhmreiche Tradition am Johannes-Brahms-Platz auch nach der Eröffnung der Elbphilharmonie fortzuführen.

Intendant Daniel Kühnel und der weltweit renommierte Orchesterchef Sir Jeffrey Tate haben sich seit Beginn ihrer Zusammenarbeit mit einer profilierten Dramaturgie einen Namen gemacht. Nicht zuletzt durch anspruchsvolle und unverwechselbare Programme, die zum Markenzeichen für die Konzerte der Symphoniker Hamburg geworden sind, ist es gelungen, die Zahl der Besucher erheblich zu steigern.

Wachsendes Interesse weckt der besondere Weg der Symphoniker Hamburg im Ausland. Als »denkendes Orchester« einer werdenden Musikstadt und stets sich selbst treu, sind die Symphoniker auf dem besten Weg, sich als Klangkörper auch international zu etablieren. Große Anerkennung erhielt das Orchester durch Tourneen in Länder wie Großbritannien, Italien, Frankreich, Spanien, Skandinavien, Türkei, Polen, die USA, China, Ukraine und Japan.

Mit außergewöhnlichen Künstlern wie dem herausragenden Geiger Guy Braunstein als Erstem Gastkünstler und Ion Marin als profiliertem Ersten Gastdirigenten arbeiten die Symphoniker Hamburg stets an der Entwicklung eines unverwechselbaren Qualitätsprofils. Es soll in alle nur erdenklichen Lebensbereiche hineinwirken, von jeder Hamburgerin und jedem Hamburger gehört und erlebt werden und über die Stadtgrenzen hinaus ausstrahlen. Der Wirkungskreis der Symphoniker ist dementsprechend nicht auf die Laeiszhalle beschränkt, sondern erstreckt sich auch auf die Hochschule für Musik und Theater, auf die Staatsoper Hamburg sowie auf Konzertsäle des Umlands. Insbesondere die Musikvermittlung für Kinder und Jugendliche bildet dabei einen wesentlichen Schwerpunkt. Viel Aufmerksamkeit erregte zuletzt auch das Projekt MusikImPuls, das mit Konzerten und Konzertprojektionen den öffentlichen Raum musikalisierte.

Die Symphoniker Hamburg wollen zusammen mit allen anderen Akteuren der Hamburger Musikwelt ihrer Stadt eine eigene musikalische Stimme geben. Für die Symphoniker ist das Orchester ein musikalisches Kompetenzzentrum. Auch in aktuelle gesellschaftspolitische Debatten wollen sie sich mithilfe der Musik einmischen. Neue Akzente in der Musiklandschaft Hamburgs soll der Anspruch des Orchesters auf Exzellenz, Originalität und Publikumsnähe setzen. Der Erfolg auch solcher Programmideen unterstreicht Hamburgs Potenzial als lebendige und moderne Musikstadt und bestätigt den Weg des Orchesters.

Voller Vorfreude blickt das Orchester nun auf das im Herbst 2017 anstehende Jubiläum: Sechs Jahrzehnte nach ihrer Gründung gelten die Symphoniker Hamburg aufgrund ihres besonderen und profilierten Programms und der Art und Weise ihres sozialen Engagements als essenzieller Bestandteil des Hamburger Musiklebens sowie als wichtiger Motor der noch jungen Idee einer Musikstadt Hamburg.

 

Prof. Dr. Dr. h.c. Hermann Rauhe

 

Dieser Text basiert auf Hermann Rauhes Buch »Von der ersten deutschen Bürgeroper bis zur Elbphilharmonie«, das 2017 im Ellert & Richter Verlag erschien (herausgegeben von der Johannes-Brahms-Gesellschaft Hamburg), und wurde für diesen Artikel erweitert.