Symphonie Nr. 7 E-Dur WAB 107

Entstehung: 1881-1883

Uraufführung: 30. Dezember 1884 in Leipzig

Spieldauer: ca. 60 Minuten

Im Kontrast zu Mozart, dem unermüdlich Schaffenden, steht Anton Bruckner, der seine siebte Symphonie erst mit 61 Jahren schrieb – und auch erst durch diese wirklich berühmt wurde: »Seit Beethoven ist nichts auch nur Ähnliches geschrieben worden. Was ist da Schumann!« So überschwänglich lobte etwa der Dirigent Arthur Nikisch, als er Bruckners Siebte 1884 uraufführte. Und auch das Publikum des denkwürdigen Abends in Leipzig stimmte in den Jubel ein. Von der ersten Minute an war diese Symphonie also ein großer Erfolg – und bedeutete für den Komponisten endlich den lang ersehnten Durchbruch: Seine vorigen symphonischen Werke waren entweder scharf kritisiert oder gar nicht erst aufgeführt worden. Neben der Sechsten und der unvollendeten Neunten war die Siebte die einzige Symphonie, die Bruckner nicht nachträglich verändert hat, was nicht zuletzt an der ausgewogenen Abstimmung der Satzcharaktere gelegen haben mag.

Nach der Uraufführung folgten Konzerte in München, Köln, Hamburg, Graz sowie 1886 in Wien. Dort reagierte die Presse zwar wie gewohnt skeptisch, und der prominente Musikkritiker Eduard Hanslick verspottete das Werk als »sinfonische Riesenschlange« und als »wüsten Traum eines durch zwanzig Tristan-Proben überreizten Orchestermusikers«. Doch auch diese Mäkel-Kritik konnte nicht verhindern, dass Bruckners Siebte die meistgespielte und eine seiner bedeutendsten Kompositionen werden sollte.

Der tief religiöse und im Alter herzkranke österreichische Tonsetzer ist uns sowohl als Symphoniker als auch als Organist in Erinnerung. In diesem Werk hört man gewissermaßen die Synthese. Man denke an den plötzlichen Wechsel der Klangfarben, wenn ein Organist das Register wechselt: Ähnlich verfährt Bruckner, indem er von einem Takt auf den anderen die Instrumentierung ändert. Eben noch Kammermusik, dann volles Orchester ...

Am Anfang des Allegro moderato hören wir die Celli. Sie stellen uns – begleitet von den Violinen und kurz unterstützt vom ersten Horn – ein langes Thema vor, das sich zunächst mutig in die Höhe schraubt und später durch markante Quinten auffällt. Spannend ist, wie die Bratschen, die Violinen und die Holzbläser diesen Gedanken übernehmen. Das zweite Thema dieses ersten Satzes, eine zarte Melodie wie aus einem Lied, hören wir in den Oboen und Klarinetten.

Das Adagio markiert eine Entwicklung in Bruckners Schaffen, die sich bereits in seiner Sechsten angedeutet hatte: Der langsame Satz wird deutlich aufgewertet und ist für die gesamte Symphonie zentral bedeutsam. Ein Ereignis ist für dessen Entstehung wesentlich – am 13. Februar 1883 starb Richard Wagner, der »hochselige, heiß geliebte unsterbliche Meister«, so Bruckner. Zum ersten Mal verwendet Bruckner hier die Wagner-Tuba; dabei handelt es sich nicht etwa um eine Tuba, sondern um eine Art Waldhorn, das Wagner extra für den »Ring des Nibelungen« bauen ließ und das neben Bruckner später auch Richard Strauss und Igor Strawinsky einsetzten.

Mit einer Trompeten-Fanfare startet das Scherzo – diese nimmt Bruckner dann als Material für eine eindrucksvolle kontrapunktische Weiterentwicklung. Die Fanfare ist im Folgenden immer wieder mit seinen Septimen-Sprüngen zu erkennen: Lang gehaltene Töne, von kurzen Achteln unterbrochen. Bruckner ist ein wahrer Meister der ausgedehnten Steigerungen. Das hören wir besonders im Finale, dem fulminanten Abschluss dieser Symphonie. Als Ausgangspunkt dient ihm hier ein Thema, das uns an den ersten Satz erinnert. Das große Werk schließt strahlend, beinahe übermütig.

Anton Bruckner
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