Klavierkonzert Nr. 3 SZ 119

Der ungarische Komponist, Pianist und Musikethnologe Béla Bartók war 1940 als Gegner des Faschismus zusammen mit seiner zweiten Ehefrau in die USA immigriert und hatte sich in New York niedergelassen. Doch die schwierigen Lebensumstände, die Bartók als renommierter und geehrter Künstler in Ungarn nicht gewohnt war, belasteten ihn schwer und führten zu einer dreijährigen Schaffenspause. Aber trotz einer Leukämie-Erkrankung war er in seinen letzten Lebensmonaten wieder außerordentlich produktiv. Während eines Sanatoriumsaufenthalts arbeitete er an dem dritten Klavierkonzert und verstarb dabei. Bartók hinterließ das Werk nicht ganz vollendet – die Orche- strierung vervollständigte sein ehemaliger Schüler Tibor Serly. Der Solist der Uraufführung mit dem Philadelphia Orchester unter Eugene Ormándy war kurz darauf der ungarisch-amerikanische Pianist György Sándor, der das Werk folgendermaßen kommentierte: »Es hat ein wunderbares inneres Gleichgewicht, ist voll Humor, in sich vollends erfüllt. Während das erste [Klavierkonzert] sich mit dem Problem der Oktaven auseinandersetzt, das zweite mit den Akkorden, verzichtet das dritte völlig auf Effekte.«

Tatsächlich schließt Bartók nicht an den progressiven Gebrauch rhythmisch-melodischer Elemente aus der ungarischen Volksmusik und an die schlagzeugartige Behandlung des Klaviers seiner vorherigen Konzerte an. Er wendet das Fenster auf nur schmalen Durchzug. Seine Klangästhetik
ist weniger aggressiv als milde. Harmonisch macht sich das in der bevorzugten Verwendung von durmolltonalen Dreiklängen und der Vermeidung von Dissonanzen bemerkbar. Der luzide, ornamentreiche Klaviersatz verzichtet auf hämmernde Akkordik, es überwiegen Legatospiel und ruhi- gere Bewegungsabläufe.

Über einem Sechzehntel-Ostinato der Streicher spielt das Klavier im ersten Satz das rhythmisch abwechslungsreich gestaltete erste Thema. Dem wird ein heiterer Gedanke zur Seite gestellt, der ebenfalls durch raffinierte Rhythmik besticht und von vorwiegend konsonanten Intervallen geprägt ist. Breite Orchesterkantilenen sowie romantische Passagen und einfache Harmonien sind das Grundgerüst.

Einen starken Kontrast dazu bietet die geheimnisvolle Tonsprache des folgenden Adagio religioso. Auf einen erhabenen, einfach gehaltenen Dialog von Streichern und Klarinette antwortet das Klavier mit choralartigen Akkorden. Durch pentatonische Skalen und leichte Chromatisierungen wird eine wundersame Atmosphäre erzeugt. Im Mittelabschnitt tauchen zudem vogelstimmenartige Motive der Holzbläser auf. Das Finale ist als Rondo episodenartig geformt und gewährt dem Soloinstrument breiten Raum für virtuose Entfaltung. Das volksliedartige Thema wird harmonisch und auch im Melos variiert, wobei es seine eigentümliche Rhythmik immer beibehält. Den Höhepunkt des Satzes bildet eine schwungvolle Gestaltung des Hauptthemas im Orchester. Das Satzende spannt schließlich den Bogen zurück zum Beginn des Konzerts.

Béla Bartók
Béla Bartók

Historie

26.01.2020 - Wendefenster: Wagner, Bartók, Schostakowitsch

Andris Poga Dirigent

Elena Bashkirova Klavier