Violinsonate A-Dur FWV 8

Nach außen lebte César Franck ein bescheidenes und ereignisloses Leben, aber man kann ohne Übertreibung behaupten, dass er die französische Musikgeschichte beeinflusst hat wie kaum ein zweiter. Das ist vor allem seiner herausragenden pädagogischen Begabung zu verdanken: Franck unterrichtete seit 1872 am Pariser Conservatoire mit Feuereifer und wurde von seinen Schülern – darunter Ernest Chausson, Henri Duparc und Vincent d’Indy – inbrünstig verehrt. Selbst Schüler, die sich ihm widersetzten, wie Claude Debussy, erkannten seinen Einfluss an. »Bei César Franck war alles Gefühl und beinahe nichts reine Vernunft«, notierte Romain Rolland 1908 treffend; er sei »ein Mystiker, dem der Zeitgeist verschlossen blieb.« Franck glaubte trotz öffentlicher Verkennung und Fehlschläge unbeirrbar an seine Kompositionen.

Im Sommer 1886 entstand seine Violinsonate – der Geiger Eugène Ysaie brachte sie im Dezember des Jahres in Brüssel zur Uraufführung. Das Werk beeindruckt durch seine spätromantische Fülle, die jedoch beinahe bescheiden – und niemals effekthascherisch – daherkommt. Im 9/8-Takt beherrschen abfallende Terzen den Beginn. Diese sollte man sich merken, denn in allen Sätzen nimmt Franck Bezug auf dieses Motiv: Im leidenschaftlichen zweiten, im träumerischen dritten und im energisch strahlenden Finale. So entsteht ein rundes, in sich vollendetes Werk, ein beredtes Zeugnis des Fin de Siècle.
César Franck
César Franck

Historie

20.06.2019 - Mitreißende Entdeckungsreise

Martha Argerich, Khatia Buniatishvili, Stephen Kovacevich, Guy Braunstein, Adrian Iliescu, Lyda Chen, Andrei Ioniţă