Fantasie f-Moll für Klavier zu vier Händen D 940

Im Mai 1828 spielte Franz Schubert zusammen mit seinem Freund Franz Lachner zum ersten Mal die f-Moll-Fantasie für Klavier zu vier Händen, die vier Monate nach seinem Tod, im März 1829, veröffentlicht wurde. Das Werk war mit einer Widmung an Comtesse Caroline von Esterházy versehen, eine Klavierschülerin des Komponisten, die mit ihm häufig vierhändig gespielt hatte – und die als seine große Liebe gilt: Entsprechend ist das Werk von tiefer Resignation durchzogen. Obwohl äußerlich einsätzig, ist sie deutlich in vier Abschnitte untergliedert. Wie der Entwurf zeigt, entschloss sich Schubert erst nachträglich, das Werk mit einer Fuge zu beenden. Vorbild dafür war seine C-Dur-Fantasie für Klavier, die sogenannte »Wanderer- Fantasie«.

Vom ersten Ton an verkündet die f-Moll-Fantasie tiefe Trauer und unversöhnlichen Schmerz. (Und Schuberts früher Tod überschattet sie nachträglich auf erschütternde Weise.) Das immer wiederkehrende Mottothema, zu Beginn vorgestellt, wirkt mit seinen Punktierungen über einem unausgesetzt schreitenden Achtel-Klanggrund wie ein musikalisches Bild für den Wanderer, der mit einem wehmütigen Lied auf den Lippen durch die Einsamkeit zieht. In einer für Schubert typischen Weise beschwört eine Wendung nach F-Dur die Erinnerung an die Jugend herauf, bevor mit dem ersten Forte das tragische Schicksal unerbittlich einbricht. Es wird durch ein Marcato-Motiv verkörpert, das schon hier imitatorisch durchgeführt wird; am Ende der Fantasie wird es der Fuge als Thema dienen.

Der erste Abschnitt besteht im Wesentlichen aus dem zweimaligen Wechsel zwischen diesen Ebenen, wobei das Marcato-Motiv am Ende in eine sanfte F-Dur-Melodie verwandelt wird, während das Mottothema durch dauernde Generalpausen bewusst offenbleibt. Erst in den Schlusstakten der Fantasie gelangt es harmonisch zur Ruhe. Das Largo beginnt durch chromatische Rückung in fis-Moll mit barocken Punktierungen, die am Ende wiederholt werden. Im Fis-Dur-Mittelteil erklingt über Triolenbegleitung eine leicht süßliche Melodie, die im Kanon zwischen Oberstimme und Bass ausgeführt wird. Auch das Scherzo steht in Fis. Seine Reprise leitet das fugierte Finale ein, das nach einer Steigerung auf dem Höhepunkt plötzlich abbricht. Das Hauptthema kehrt wieder und wird endlich in f-Moll harmonisch geschlossen, bevor der Marcatorhythmus noch ein letztes Mal erklingt.
Franz Schubert
Franz Schubert

Historie

26.06.2019 - Verwandte Seelen

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Tedi Papavrami Violine

Werke von Mozart, Scarlatti, Schubert, Beethoven und Improvisationen von Gabriela Montero