Klaviersonate Nr. 31 As-Dur op. 110

Eine »Musik der Innerlichkeit« ist noch viel mehr Ludwig van Beethovens Opus 110. Schon der Beginn des Kopfsatzes der 1821 zu Papier gebrachten As-Dur-Klaviersonate stammt aus einer ganz anderen Welt als die Gewalt, die Wut anderer seiner Werke dieser Gattung. Wie Robert Schumann in »Der Dichter spricht« (dem Ende der »Kinderszenen«) scheint Beethoven in den ersten vier Takten einfühlsame, liebevolle Worte an uns Zuhörende richten zu wollen. Die leise Ahnung des Nostalgischen: Zu einer rührend schlichten Melodie im Sopran gesellen sich Begleitmodelle (»Alberti-Bässe«), die den Eindruck einer friedlichen Rückschau kaum schöner präzisieren könnten.

In Nostalgie verharrt Beethoven jedoch nicht, sondern baut nach sieben Takten mittels raumgreifender 32stel-Passagen Spannung auf. Das daraufhin erscheinende zweite Thema siedelt Beethoven in derart hohen Gefilden der Klaviatur an, dass der vermeintlich drohende Kitsch schon fast schmerzvoll anmutet.

Das »Allegro molto«, sozusagen das »Scherzo« der Sonate, bildet einen starken Gegensatz zum lyrischen und wehmütigen ersten Satz. Viele Musikfachleute sehen in den Takten 25 bis 32 das Zitat eines wienerischen oder schlesischen Volksliedes, in dem es an entsprechender Stelle heißt: »Ich bin liederlich, du bist liederlich, wir sind liederliche Leute.« Ansonsten ist dieser zweite Satz aber weniger gassenhauerisch, sondern strotzt in seiner ungemeinen Kürze nur so von Beethoven-typischen Eigenheiten der Behandlung des Klaviers. Da wird auch einfach mal (nach einer verzögernd auslaufenden Formulierung) laut dazwischengekloppt!

Ludwig van Beethoven
Ludwig van Beethoven

Historie

20.06.2020 - *** ABGESAGT *** Auftakt mit Beethoven & Co

Martha Argerich, Sergei Nakariakov, Dong Hyek Lim, Stephen Kovacevich, Tedi Papavrami, Eugene Lifschitz, Alan Weiss, Iddo Bar-Shaï, Alexander Gurning, Koen Plaetinck

23.06.2022 - Kovacevich & Papavrami

Stephen Kovacevich, Tedi Papavrami, Adrian Iliescu, Satoko Koike, Bruno Merse, Li Li

Werke von Debussy, Beethoven, Bach und Bartók