Violinkonzert D-Dur op. 61

Ein echter Meilenstein der Musikgeschichte war hingegen die Uraufführung von Ludwig van Beethovens Violinkonzert op. 61 am 23. Dezember 1806. Sowohl die technischen Herausforderungen an den Solisten als auch die symphonischen Ausmaße mit etwa 40 Minuten Spieldauer stellten alle vorausgehenden Werke dieser Musikgattung in den Schatten. Sein einziges vollendetes Violinkonzert komponierte Beethoven in relativ kurzer Zeit. Erste Skizzen datieren auf September und Oktober 1806, als er auf Schloss Grätz bei Troppau weilte. Die Ausarbeitung und Niederschrift nahm er dann zwischen dem letzten Novemberdrittel und im Dezember vor. Nur wenige Tage blieben dann Franz Clement, den Solopart einzustudieren. Am 7. Januar 1807 fasste Johann Nepomuk Möser in der Wiener Theaterzeitung in der einzig erhaltenen Rezension die Reaktionen auf die Uraufführung zusammen: »Der vortreffiche Violinspieler Klement spielte unter anderen vorzüglichen Stücken auch ein Violinconcert von Beethhoven, das seiner Originalität und mannigfaltigen schönen Stellen wegen mit ausnehmendem Beifall aufgenommen wurde. Über Beethhovens Concert ist das Urteil von Kennern ungeteilt; es gesteht demselben manche Schönheit zu, bekennt aber, daß der Zusammenhang oft ganz Zerrissen scheine, und daß die unendlichen Wiederholungen einiger gemeiner Stellen leicht ermüden könnten.« Die geteilten Publikumsreaktionen führten dazu, dass Beethoven vor der Drucklegung 1807 Korrekturen in dem hastig niedergeschriebenen Autograph vornahm. Die Änderungen betrafen vor allem den Violinpart. Dennoch sorgten der spielerische Anspruch und die fehlenden brillanten Effekte dafür, dass sich die Violinenvirtuosen erst spät des Konzertes annahmen und ihm einen dauerhaften Platz im Repertoire verschafften. Erst als fast vierzig Jahre später der junge Geiger Joseph Joachim die Komposition unter Mendelssohn aufführte, gewann sie an Popularität, wie Andreas Moser in seiner »Geschichte des Violinspiels« von 1927 festhielt: »Seitdem gehört das Konzert nicht nur zum eisernen Repertoire jedes Geigers, der mehr sein will als bloß Virtuose; es hat darüber hinaus zugleich die Bedeutung eines Prüfsteins für die künstlerische Reife des Ausführenden erlangt. Denn man kann ein ausgezeichneter Geiger sein und doch mit dem Stück nichts anzufangen wissen, wenn man nicht zugleich ein feinsinniger Musiker ist, der den Gehalt der Komposition auch geistig ergründet hat.«
Ludwig van Beethoven
Ludwig van Beethoven