La Valse

Mehr als 14 Jahre beschäftigte sich Maurice Ravel mit »La Valse«. Die Vorgeschichte des Werks, das er 1920 vollendete, reicht bis in die Zeit vor dem Ersten Weltkrieg zurück. In einem Brief an den Musikkritiker Jean Marnold teilte er mit, dass er unter dem Titel »Wien« einen Walzer als eine Art Hommage an Johann Strauss jr. plane. Aber erst, als ihn der Ballett-Impresario Sergei Djagilew um ein neues Opus für sein Ensemble Ballets Russes bat, griff der Komponist auf die alte Idee zurück, die er nun als ein »choreographisches Poem« konzipierte: »Ich dachte bei diesem Werk an eine Art Apotheose des Wiener Walzers, in die sich in meinen Gedanken die Vorstellung eines phantastischen Wirbels mischte, dem niemand entrinnen kann«, schrieb er 1928. In einer Partiturnotiz konkretisierte er den programmatischen Gehalt: »Flüchtig lassen sich durch schwebende Nebelschleier hindurch walzertanzende Paare erkennen. Nach und nach lösen sich die Schleier auf: Man erblickt bei A [Beginn des Hauptthemas] einen riesigen Saal mit zahllosen im Kreis wirbelnden Menschen. Die Szene erhellt sich zunehmend; beim Fortissimo bei B erstrahlen die Kronleuchter im hellen Glanz. Eine kaiserliche Residenz um 1855.«

Das Opus stellt sich formal als eine ununterbrochene Kette von raffinierten Walzern dar, die in einem ständigen Crescendo, in immer neuen und kürzeren Phasen Anlauf nehmend eine mächtige Klimax bilden. Die Melodien spiegeln dabei alle Nuancen des Wiener Walzers wider. Doch Ravels ekstatischer Reigen ist nicht nur eine Überhöhung des Tanzes. Der zweite Teil, eine Art freie Reprise, verarbeitet und verdichtet das Material zu einem turbulenten Wirbel. Nach dem Höhepunkt reißt das Klang- geschehen unvermittelt ab. Dieser »Parforceritt in der Mobilisierung rhythmischer und dynamischer Kräfte« (Hans Heinz Stuckenschmidt) sprengt die Gattung der Tanzmusik. Das Werk sei kein Ballett, sondern das Bild eines Balletts, kritisierte daher Djagilew und lehnte es ab. Auch spätere Choreographen taten sich schwer mit dem dämonisch-orgiastischen Charakter des Werks, das seit seiner Pariser Uraufführung am 12. März 1920 vor allem in den Konzertsälen Erfolge feiert.

Dieses Werk wird gespielt von folgendem Künstler

Maurice Ravel
Maurice Ravel

Dieses Werk erklingt in folgenden Konzerten

Träume und Leidenschaften

4. VielHarmonie-Konzert

Träume und Leidenschaften

Laeiszhalle Hamburg

Ion Marin Dirigent

Federico Colli Klavier

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Do, 18.04.2019 19:30 Uhr
Federico Colli & Ion Marin

Geschlossene Veranstaltung

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Elbphilharmonie

Ion Marin Dirigent

Federico Colli Klavier

Werke von Sibelius, Grieg, Ravel und Strauss

Mi, 24.04.2019 20:00 Uhr