Klaviertrio a-Moll op. 24

Mieczysław Weinberg hätte in diesem Jahr seinen 100. Geburtstag gefeiert – höchste Zeit, diesem so bedeutenden Komponisten des 20. Jahrhunderts wieder die Beachtung zu Teil werden zu lassen, die ihm gebührt. Nicht nur sein Freund und Mentor Dmitri Schostakowitsch respektierte und verehrte Weinberg als Gleichgesinnten und gleichrangigen Komponisten. Aus polnisch-jüdischer Familie stammend, entkam er mehrfach antisemitischen Pogromen und dem Zugriff der Nationalsozialisten nur knapp, ein Großteil seiner Familie wurde ermordet. Weinberg floh schließlich in die Sowjetunion und wurde dort ein anerkannter und gefeierter, zwischenzeitlich aber auch von der Obrigkeit geächteter Komponist. Das Thema des Leids und des Krieges ließ Weinberg nicht los und sollte ein prägendes in seinem Schaffen bleiben: »Ich sehe es als meine moralische Pflicht, vom Krieg zu schreiben«, bekannte er selbst angesichts seines Schicksals.

Doch Weinbergs Musik ist vielseitig und bedient sich nicht allein der Kriegsthematik. Sein Klaviertrio a-Moll ist voller erfindungsreicher, markanter Motive und fesselt mit seiner starken dramaturgischen Expressivität. Sich aufbauende und verstärkende Tonwiederholungen im Kopfsatz begleiten ein martialisches Thema, das sich schließlich hin zu einer elegischen Aria auflöst. Die Toccata des zweiten Satzes ist voller rhythmischer Spannungen, während der mit »Poem« betitelte dritte Satz mit hochemotionalen Wendungen überrascht. Hinzu kommt ein melancholischer, poetisch klingender Duktus in Weinbergs Tonsprache – in dieser Stimmung endet das Klaviertrio auch. Dieser für Weinberg typische Ton besitzt für eine offenbar stets wachsende Fangemeinde große Anziehungskraft und zeigt: Im Œuvre des Polen gibt es noch Vieles zu entdecken.
Mieczyslaw Weinberg
Mieczyslaw Weinberg

Historie

22.06.2019 - Gefühle und Gedanken

Martha Argerich, David Chen, Evgeni Bozhanov, Akane Sakai, Guy Braunstein, Mayu Kishima, Lyda Chen, Andrei Ioniţă