Symphonie Nr. 29 A-Dur KV 201

Entstehung: 1774 in Salzburg; am 6. April fertiggestellt

Anlass: weitgehend unklar

Dauer: ca. 25 Minuten

Mozarts heitere und zugleich bemerkenswert fein gearbeitete Symphonie Nummer 29 gehört zu einer Gruppe von drei Symphonien, die er als junger Mann noch in Salzburg vor seiner Parisreise vollendete und die hörbar von seinen vorigen Italien-Aufenthalten beeinflusst waren. Mit ihrer Länge und der sicheren Handhabe der Sonatensatzform ist sie sicher der Höhepunkt in dem Trio; auch Mozart selbst schätzte sie damals so sehr, dass er sie entgegen dem Usus, stets neue Werke zu präsentieren, immer wieder – auch später in Wien – aufführte. Offenbar hatte er im Vergleich zu früheren Werken der Gattung vor allem in der Instrumentation einiges an Können hinzugewonnen: Die Streicher setzt er beseelt ein sowie beispielsweise die Hörner weniger auftrumpfend als vielmehr zart untermalend. Liebhabern gilt diese Symphonie deshalb als die Schönste und Schwärmerischste des frühen Mozart.

Im ersten Satz, einem Allegro moderato, schafft es das Hauptthema erst allmählich, Aufmerksamkeit zu erlangen – doch wie Mozart diesen Prozess gestaltet, zeugt von großer Entwicklungskunst. Wenn dieses Hauptthema wiederholt wird, spielen es die tiefen Streicher dazu sogar in einem Abstand von nur einem halben Takt. Diese Kompositionsweise ist durchaus modern. Denn es scheint, als werde die Melodie wie in der Kammermusik auf verschiedene Stimmen verteilt. Und Mozart gelingt so eine gekonnte Steigerung des Ursprungsmaterials. Auf eine komplexe Durchführung folgt ein musikalisch wohl ausgefülltes Satzfinale.

Im Andante, das ein behutsames, beinahe wie ein Nachtlied geformtes Thema bereithält, beeindrucken die gedämpften Violinen – und das Klangbild: Mozart setzt die für eine Symphonie damals üblichen Instrumente ein. Doch wie er das macht, lässt aufhorchen, es ergeben sich ungeahnte Farben. Der legendäre Musikwissenschaftler Alfred Einstein schrieb einmal, das folgende Menuett zeichne ein Gegensatz aus »Zierlichkeit und fast beethovenscher Gewalttätigkeit« aus. In der Tat ist dieser dritte Satz betont gegensätzlich gehalten, dennoch beziehen sich die beiden Mittelsätze aufeinander, indem sie jeweils mit einem punktierten Rhythmus arbeiten. Das Finale, ein Allegro con spirito im 6/8-Takt, besticht schließlich mit virtuosen Läufen und Verzierungen sowie einer klug gearbeiteten Durchführung.

In seinem kurzen Leben hinterließ Mozart weit mehr als 600 Kompositionen – und verbrauchte dafür rein rechnerisch wohl mehr als acht Kilometer Notenpapier. Die erste Symphonie schrieb er bereits mit acht Jahren, diese einfallsreiche A-Dur-Symphonie entstand mit 18 Jahren als 29. Gattungsbeitrag in einer Zeit, in der nahezu monatlich neue Symphonien hinzukamen. (Bei der Zahl 41 und ihrem klangvollen Namen »Jupiter-Symphonie« hört die Zählung drei Jahre vor seinem Tod bekanntlich auf.) Wir hören also: Diese 29. Symphonie ist ein unschätzbares Zeugnis der Entwicklungsschritte, die Mozart auf dem Weg zu seinem unverwechselbaren Stil machte

Wolfgang Amadeus Mozart
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