Seit wir nach der Sommerpause wieder zusammen singen scheint die Arbeit, scheinen die gemeinsamen Momente intensiver, erwartungsvoller. Wir spüren, dass diese Momente kostbar sind, denn viele davon haben wir nicht mehr. Ein paar Begegnungen noch mit den MovINg Music Gruppen an ihren Standorten, öfter nun auch in der Laeiszhalle, Studio E, Kleiner Saal, und heute: zum ersten Mal mit den Profimusikern der Symphoniker Hamburg. Nun aber nicht, wie hier sonst üblich, die Profis auf der Bühne, das Publikum unten im Saal, nein – nun beide auf der Bühne, auf einer Ebene. Beim Fest der Musik wagen wir neues: Profi- und Laienmusiker machen zusammen Musik, denn genau das will das MovINg Orchestra Projekt: Grenzen überwinden, eine Bühne für alle, barrierefreie Musik. Lebensfreude durch Musik: Hamburg lembur kuring, moin moin, ahoi und Leinen los! Nun kommt zusammen, was zusammen gehört, nun biegt der Weg, der schon so reich an Erfahrungen, Begegnungen und Musik ist, in die Zielgerade.
Ein Fest der Musik ist es schon jetzt. Alle sind hungrig nach den gemeinsamen Liedern. Man spürt, wie sich jede und jeder im Saal Mühe gibt, schon beim warm-up. Die ersten Partituren habe ich fertig gestellt und nun liegen sie bereit, vom Orchester und den Sängern gemeinsam in Klänge geformt zu werden. Doch ein bisschen müssen wir noch warten auf die Orchestermusiker, die erst in der zweiten Probenhälfte dazu stoßen, gemeinsam mit dem Dirigenten Johannes Zurl, der heute extra aus Berlin anreist. Ein echtes Konzert braucht auch einen echten Dirigenten.
So üben wir die beiden Stücke, die das Fest der Musik eröffnen und ausklingen lassen werden, bis sie besser und besser sitzen. Ein bisschen Phrasierung hier, Rhythmus da, Text dort. Gerade in der Einfachheit liegt oft die größte Kunst und Schwierigkeit und das verlangt nach Arbeit. Auch das ist Musik. Doch es fühlt sich nicht nach Arbeit an, denn ein Strahlen liegt über diesem Tun, ein Staunen über die Schönheit der vielen unterschiedlichen Stimmen dieser unterschiedlichen Menschen, die mit Euphorie und Inbrunst ihre Stimmen erheben – imagine all the people, living life in peace! Man könnte auch sagen: living life in music.
Dann wird es spannend: die Bühne im Kleinen Saal wird umgebaut, Pulte für Dirigent und Musiker werden aufgestellt, das Orchester, bestehend aus 25 Musikern, nimmt Platz. Wie wird das jetzt? Sind wir gut genug? Wie reagieren Profis auf Laien und umgekehrt? Johannes Zurl, der Dirigent, ist ein Eisbrecher: als erstes bittet er die SängerInnen auf die Bühne, mischt sie unter die Symphoniker – er hat die Projektidee verstanden. Nur Mut! Und schon geht es los. Die ersten Klänge von den Streichern, Magie liegt in der Luft. "Schweige und Höre" nun als vielstimmiger Kanon von Instrumenten und gesungenen Stimmen, in neuem Gewand. Gänsehaut. "Imagine" – mit diesem Stück wird das Fest der Musik am 12.12. ausklingen. Mit diesem Lied werden wir unsere Gäste in die Nacht entlassen – was werden sie mitnehmen? Wird John Lennons Vision einer besseren Welt, einer gerechteren Gesellschaft auch bei uns verstanden werden, Wirkung entfalten? Was werden die SängerInnen, was die OrchestermusikerInnen mitnehmen? Was wird vom MovINg Orchestra, vom Fest der Musik bleiben? Eines weiß ich jetzt schon: Schon jetzt war diese Reise die Reise wert.