Grußwort des Intendanten Daniel Kühnel

Verehrtes Publikum,

Zitronen können klein und voller Kerne sein und geradezu rücksichtslos sauer – das ist die platte Wahrheit. Oder sie können groß und weit­hin duftend sein – »Kennst du es wohl?« –, mit gelb leuchtender Schale und saftigem Fleisch, die uns mit der kalten Jahreszeit zu versöhnen imstande sind, weil sie der Dunkelheit jenes helle Licht spenden. Das ist das, was der Mensch aus der Zitrone machte: eine fantastische Batterie zupackender Zuversicht. Kultur – für die jenes von Prometheus gestohlene Feuer erste Voraussetzung war – kann auch sauer sein, etwa wenn sie zähmend eingesetzt der Unterdrückung anderer dient. Aber eigentlich ist Kultur das, was uns Menschen ein Überleben in der irdischen Heimat überhaupt erst möglich macht. Sind das Widersprüche? Wohl nicht. Es sind nur viele Möglichkeiten der Entfaltung desselben Gegenstands. Und wir können herausfinden, müssen entscheiden, was es ist, das wir wollen. Die Symphoniker Hamburg wollen aus dem, was ihnen ihre Heimaten – die Laeiszhalle, die Stadt Hamburg, ihr treues und neugieriges Publikum – schenken, stets Wärme und Licht, Freude und Sinn machen. Wir wollen zusammen mit Ihnen in der Laeiszhalle Fragen stellen, über Antworten staunen, erschüttert wiedererkennen, überraschend Neues denken, wirklich in der Welt sein, ihr zuhören. Wir wollen die Punkte verbinden, auf dass eine Karte sichtbar werde, mit der wir dann die herrliche Geschichte der Laeiszhalle fortschreiben und weitere Schätze heben können. Dieses Fortschreiben ist immer auch ein ganzer Anfang – genauso aufregend, genauso nötig und genauso menschlich »— Wie ich!«, wie jeder von uns.

Ihr Daniel Kühnel, Intendant

 

»WIR WOLLEN DIE HERRLICHE GESCHICHTE DER LAEISZHALLE FORTSCHREIBEN UND HIER SCHÄTZE HEBEN.«