»Wie ich!«, schmettert Goethes Prometheus den Göttern entgegen und begehrt gegen eine heilige Ordnung auf: Er verleiht dem Menschen die Macht, selbst über sein Leben zu bestimmen, eigene Ideen zu haben, schöpferisch tätig zu werden. Der zornige Titan bringt den Menschen das dem Olymp vorbehaltene Feuer und schenkt ihnen damit die Möglichkeit, sich zu entfalten. Indem der Mensch das Feuer unabhängig von Zufällen und Blitzeinschlägen beherrscht, entkommt er den engen Grenzen, die die Natur ihm setzte. Prometheus’ Aufbegehren markiert den Beginn der menschlichen Kultur und ihrer Künste.
Der Mythos des Prometheus ist das Leitmotiv der Saison 2026/2027 und rückt das Anliegen der Symphoniker Hamburg ins Zentrum, geglaubte Grenzen zu überwinden, musikalische Werke neugierig zu hinterfragen und in neuem Licht zu präsentieren.
Als Residenzorchester der Laeiszhalle verfügen sie über den idealen Ort im Herzen unserer Stadt, um das Konzertrepertoire neu zur Geltung zu bringen. So spürt das Orchester gleich zu Beginn der Saison in Beethovens Ballettmusik »Die Geschöpfe des Prometheus« den Themen Schöpfung und Entwicklung nach, tritt dann in Zwiesprache mit Werken, die sich auf ganz andere Weise mit diesen Themen auseinandersetzen: Hier verschränkt sich Tschaikowskys berühmte Ballettmusik mit einer radikalen Komposition von Giacinto Scelsi, Werke gestalten sich in Variationen und Bearbeitungen neu, und aus der Verschmelzung bekannter musikalischer Perspektiven entstehen neue Klänge, wenn Coplands »Fanfare for the Common Man« auf Joan Towers »Fanfare for the Uncommon Woman« trifft oder Hans Zender Schumann weiterentwickelt.
Als Prometheus den Menschen das schöpferische Feuer brachte, überredete er die Göttin Athene, ihnen auch Verstand zu geben – eine Kombination, deren Sinn bis heute evident ist. Dass die Symphoniker Hamburg ihre Kunst mit Musikverstand vereinen und ihr Schaffen auch in der kommenden Spielzeit mit uns teilen, ist ein Geschenk für diese Stadt.
Dr. Carsten Brosda, Senator für Kultur und Medien
